Der online Opernführer zu DIE WALKÜRE (Die Handlung)
Lernen Sie die Handlung der Oper DIE WALKÜRE von RICHARD WAGNER kennen. In einem 4-Minuten Film erfahren Sie die wesentlichsten Handlungen. Angereichert mit Rollenbeschreibungen und informativen Grafiken.
ÜBERBLICK & SCHNELLZUGRIFF
Inhalt
♪ Handlung in 4 minutes - YouTube Video
♪ Link zum Opern-Portrait (mit interessanten Informationen, und Youtube Videos)
Libretto
♪ Akt I (In Hundings Haus)
♪ Akt II (Duels-Szene)
♪ Akt III (Ritt der Walküren, Abschieds-Szene)
Die Handlung von DIE WALKÜRE in 4 Minuten
Beziehungsdiagramm von DIE WALKÜRE der Hauptrollen
Das Opern-Portrait zu DIE WALKÜRE
Die geschriebene Handlung von DIE WALKÜRE
«Die Walküren» ist Teil zwei des «Rings der Nibelungen». Teil eins ist das «Rheingold». Die Vorgeschichte der Walküre.
Alberich raubt das Rheingold und will einen Ring schmieden, den ihm die Weltherrschaft sichert. Der Preis: er muss der Liebe entsagen. Wotan, zwingt Alberich den Ring herauszugeben. Alberich verflucht den Ring. Wotan gibt ihn den Riesen damit sie die Geisel Freia herausgeben. Um an den Ring zu kommen zeugt Wotan Siegmund und Sieglinde.
Die Personen
Siegmund, Sohn des Wotans und Bruder der Sieglinde
Sieglinde, Frau von Hunding und Schwester von Siegmund
Brünnhilde, Walküre und Tochter Wotans
Wotan, Gott, Herrscher der Welt, auf der Suche nach dem Ring
Hunding, Ehemann der Sieglinde
Die Handlung
Siegmund, Wotans Sohn, ist verwundet und erreicht während eines nächtlichen Gewitters eine Zuflucht. Es ist das Haus Hundings und dessen Frau Sieglinde. Sieglinde gibt dem Fremden zu Trinken. Hunding kommt nach Hause und will Siegmunds Geschichte hören. Siegmund erzählt, dass er eines Tages nach Hause kam, seine Mutter tot aufgefunden hatte, das Haus verbrannt und keine Spur von seiner Zwillingsschwester zu sehen war. Er erfuhr später, dass seine Schwester in eine Heirat gezwungen wurde und er versuchte sie zu retten. In diesem Moment erkennt Siegmund als einen alten Feind. Aus Tradition gewährt er Siegmund Gastrecht fordert ihn für den nächsten Tag aber zum Duell. Sieglinde verabreicht Hunding ein Schlafmittel und zeigt Siegmund ein Schwert, welches in einem Baum steckt. Wotan hatte es reingestossen und demjenigen bestimmt, der stark genug ist es rauszuziehen. Siegmund gelingt es, das Schwer rauszuziehen und nennt es Nothung. Siegmund und Sieglinde erkennen, dass sie Geschwister sind, vereinigen sich und zeugen ein Kind (Wälsenblut).
Im Götterreich: Wotan hat Brünhilde, eine seiner Töchter, den Walküren, zum Schutz des Siegmund befohlen, da er Siegmund für die Eroberung des Rings vorgesehen hat. Aber seine Frau Fricka verlangt von Wotan Hunding zu unterstützen, da Wotan Siegmund mit einer anderen Frau gezeugt hatte. Tief betrübt befiehlt er Brünnhilde, dass Siegmund beim Duell sterben soll. Brünnhilde gehorcht nicht und Wotan muss Siegmunds Schwert beim Kampf zerstören und Hunding ersticht Siegmund. Brünhilde flieht mit Sieglinde zu ihren Schwester-Walküren. Sie gibt Sieglinde das zerbrochene Schwert für ihren Sohn und fügt sich Wotans Bestrafung. Sie verliert den Götter Status und wird in einen Schlaf versetzt. Damit nur ein Held sie bekommen kann, akzeptiert Wotan, dass Loge ein Feuer um die Schlafstätte legt, die nur ein Held durchbrechen kann. Wotan nimmt ergriffen Abschied von seiner Lieblingstochter.
Die Top 5 Höhepunkte der Oper
Der Männer Sippe - Lehmann / Melchior / Walter
Deines Auges Glut…Nothung - Melchior / Lehmann
Winterstürme wichen dem Wonnemond - Kaufmann
Hojotohe - Flagstadt
Leb wohl du kühnes herrliches Kind - London / Leinsdorf
Libretto
DIE WALKÜREN AKT I
| Vorspiel und erste Scene (Der Vorhang geht auf.) |
| Siegmund Wess‘ Herd diess auch sei, hier muß ich rasten.(Er sinkt zurück, und bleibt regungslos ausgestreckt.) (Sieglinde tritt aus der Thüre des inneren Gemaches: Sie glaubte ihren Mann heimgekehrt; ihre ernste Miene zeigt sich dann verwundert, als sie einen Fremden am Herde ausgestreckt sieht.) Sieglinde Siegmund Sieglinde |
| Siegmund Kühlende Labung gab mir der Quell, des Müden Last machte er leicht: erfrischt ist der Muth, das Aug‘ erfreut des Sehens selige Lust. Wer ist’s, der so mir es labt?Sieglinde Dies Haus und diess Weib sind Hundings Eigen; gastlich gönn‘ er dir Rast: harre bis heim er kehrt! Siegmund Sieglinde Siegmund |
| Sieglinde Des seimigen Methes süßen Trank mög’st du mir nicht verschmäh’n.Siegmund Schmecktest du mir ihn zu? (Sieglinde nippt am Horne, und reicht es ihm wieder. Siegmund thut einen langen Zug, indem er den Blick mit wachsender Wärme auf sie heftet. Er setzt so das Horn ab, und läßt es langsam sinken, während der Ausdruck seiner Miene in starke Ergriff- en heit übergeht. Er seufzt t ief auf, und senkt den Blick düster zu Boden.) (mit bebender Stimme) Einen Unseligen labtest du: (lebhaft) Unheil wende der Wunsch von dir! (Er bricht auf.) Gerastet hab‘ ich und süß geruht: weiter wend‘ ich den Schritt. (Er geht nach hinten.) Sieglinde Siegmund |
| Sieglinde (in heftigem Selbstvergessen ihm nachrufend) So bleibe hier! Nicht bringst du Unheil dahin, wo Unheil im Hause wohnt! (Siegmund bleibt tief erschüttert stehen; er forscht in Sieglindes Mienen; diese schlägt verschämt und traurig die Augen nieder. Siegmund kehrt zurück.)Siegmund Wehwalt hieß ich mich selbst: Hunding will ich erwarten. (Er lehnt sich an den Herd: sein Blick haftet mit ruhiger und entschlossener Theilnahme an Sieglinde: diese hebt langsam das Auge wieder zu ihm auf; Beide blicken sich, in langem Schweigen, mit dem Ausdruck tiefster Ergriffenheit, in die Augen.) |
| Zweite scene (Sieglinde fährt plötzlich auf, lauscht, und hört Sieglinde Hunding Sieglinde Siegmund Hunding |
| Siegmund Durch Wald und Wiese, Heide und Hain, jagte mich Sturm und starke Noth: nicht kenn‘ ich den Weg, den ich kam. Wohin ich irrte, weiß ich noch minder: Kunde gewänn‘ ich dess‘ gern.Hunding (am Tische, und Siegmund den Sitz bietend) Dess‘ Dach dich deckt, dess‘ Haus dich hegt, Hunding heißt der Wirth; Sieglinde Siegmund |
| zum Stumpf der Eiche blühender Stamm; erschlagen der Mutter muthiger Leib, verschwunden in Gluthen der Schwester Spur: uns schuf die herbe Noth der Neidinge harte Schaar. Geächtet floh der Alte mit mir; lange Jahre lebte der Junge mit Wolfe im wilden Wald: manche Jagd ward auf sie gemacht; doch muthig wehrte das Wolfspaar sich. (zu Hunding gewandt) Ein Wölfing kündet dir das, den als „Wölfing“ mancher wohl kennt.Hunding Wunder und wilde Märe kündest du, kühner Gast, Wehwalt der Wölfing! |
| Mich dünkt, von dem wehrlichen Paar vernahm ich dunkle Sage, kannt‘ ich auch Wolfe und Wölfing nicht.Sieglinde Doch weiter künde, Fremder: wo weilt dein Vater jetzt? Siegmund |
| Hunding Die so leidig Los dir beschied, nicht liebte dich die Norn‘: froh nicht grüßt dich der Mann, dem fremd als Gast du nah’st.Sieglinde Feige nur fürchten den der waffenlos einsam fährt! Künde noch, Gast, wie du im Kampf zu letzt die Waffe verlor’st? Siegmund |
| Doch von der Wal wich nicht die Maid; mit Schild und Speer schirmt‘ ich sie lang‘, bis Speer und Schild im Harst mir zerhau’n. Wund und waffenlos stand ich; sterben sah ich die Maid: mich hetzte das wüthende Heer; auf den Leichen lag sie todt. (mit einem Blicke voll schmerzlichen Feuers auf Sieglinde) Nun weißt du, fragende Frau, warum ich Friedmund nicht heiße! (Er steht auf, und schreitet auf den Herd zu. Sieglinde blickt erbleichend und tief erschüttert zu Boden.)Hunding (erhebt sich) Ich weiß ein wildes Geschlecht, nicht heilig ist ihm was andern hehr: verhaßt ist es Allen und mir. Zur Rache ward ich gerufen, Sühne zu nehmen für Sippen Blut: zu spät kam ich, und kehrte nun heim, des flücht’gen Frevlers Spur im eig’nen Haus zu erspäh’n. (Er geht herab.) Mein Haus hütet, Wölfing, dich heut‘; für die Nacht nahm ich dich auf: mit starker Waffe doch wehre dich morgen; zum Kampfe kies‘ ich den Tag: für Todte zahlst du mir Zoll. (Sieglinde schreitet mit besorgter Gebärde zwisch- en die beiden Männer vor.) (barsch) Fort aus dem Saal! säume hier nicht! Den Nachttrunk rüste mir drin, und harre mein‘ zur Ruh‘. (Sieglinde steht eine Weile unentschieden und sinnend. Sie wendet sich langsam und zögernden Schrittes nach dem Speicher. Dort hält sie wieder an und bleibt, in Sinnen verloren, mit halb abgewandt- em Gesicht stehen. Mit ruhigem Entschluß öffnet sie den Schrein, füllt ein Trinkhorn, und schüttet aus einer Büchse Würze hinein. Dann wendet sie das Auge auf Siegmund, um seinem Blicke zu begegnen, den dieser fortwährend auf sie heftet.) (Sie gewahrt Hundings Spähen und wendet sich sogleich zum Schlafgemach. Auf den Stufen kehrt sie sich noch einmal um, heftet das Auge sehnsuchtsvollauf Siegmund, und deutet mit ihrem Blicke an- dauernd und mit sprechender Bestimmtheit auf eine Stelle am Eschenstamme.) (Hunding fährt auf, und treibt sie mit einer heftigen Gebärde zum Fortgehen an.) (Mit einem letzten Blick auf Siegmund, geht sie in das Schlafgemach, und schließt hinter sich die Thüre.) |
| (nimmt seine Waffen vom Stamme herab) Mit Waffen wehrt sich der Mann. (Im Abgehen sich zu Siegmund wendend.) Dich Wölfing treffe ich morgen: mein Wort hörtest du, hüte dich wohl! (Er geht in das Gemach; man hört ihn von innen den Riegel schließen.) |
| Dritte Scene (Siegmund allein. Es ist vollständig Nacht ge- Siegmund (Das Feuer bricht zusammen; es fällt aus der auf- |
| Was gleißt dort hell im Glimmerschein? Welch‘ ein Strahl bricht aus der Esche Stamm, Des Blinden Auge leuchtet ein Blitz: lustig lacht da der Blick. Wie der Schein so hehr das Herz mir sengt! Ist es der Blick der blühenden Frau, den dort haftend sie hinter sich ließ, als aus dem Saal sie schied? (Von hier an verglimmt das Herdfeuer allmählich.) Nächtiges Dunkel deckte mein Aug‘, ihres Blickes Strahl streifte mich da: Wärme gewann ich und Tag. Selig schien mir der Sonne Licht; den Scheidel umgliß mir ihr wonniger Glanz, bis hinter Bergen sie sank. (Ein neuer schwacher Aufschein des Feuers.) Noch einmal, da sie schied, traf mich Abends ihr Schein; selbst der alten Esche Stamm erglänzte in gold’ner Gluth: da bleicht die Blüthe, das Licht verlischt; nächtiges Dunkel deckt mir das Auge: tief in des Busens Berge glimmt nur noch lichtlose Gluth. (Das Feuer ist gänzlich verloschen: volle Nacht.) (Das Seitengemach öffnet sich leise. Sieglinde, in weißem Gewande, tritt heraus und schreitet leise, doch rasch, auf den Herd zu.)Sieglinde Schläfst du, Gast? Siegmund |
| Sieglinde (mit geheimnißvoller Hast) Ich bin’s: höre mich an! In tiefem Schlaf liegt Hunding; ich würzt‘ ihm betäubenden Trank: nütze die Nacht dir zum Heil!Siegmund (hitzig unterbrechend) Heil macht mich dein Nah’n! Sieglinde |
| das stieß er nun in der Esche Stamm, bis zum Heft haftet‘ es drin: dem sollte der Stahl geziemen, der aus dem Stamm es zög‘. Der Männer Alle, so kühn sie sich mühten, die Wehr sich Keiner gewann; Gäste kamen und Gäste gingen, die Stärk’sten zogen am Stahl … keinen Zoll entwich er dem Stamm: dort haftet schweigend das Schwert. Da wußt‘ ich wer der war, der mich gramvolle gegrüßt: ich weiß auch, wem allein im Stamm das Schwert er bestimmt. O fänd ich ihn heut‘ und hier, den Freund; käm‘ er aus Fremden zur ärmsten Frau: was je ich gelitten in grimmigem Leid, was je mich geschmerzt in Schande und Schmach, süßeste Rache sühnte dann Alles! Erjagt hätt‘ ich was je ich verlor, was je ich beweint wär‘ mir gewonnen, fänd‘ ich den heiligen Freund, umfing‘ den Helden mein Arm!Siegmund (mit Gluth Sieglinde umfassend) Dich selige Frau hält nun der Freund, dem Waffe und Weib bestimmt! Heiß in der Brust brennt mir der Eid, der mich dir Edlen vermählt. Was je ich ersehnt ersah ich in dir; in dir fand ich was je mir gefehlt! Littest du Schmach, und schmerzte mich Leid; war ich geächtet, und warst du entehrt: freudige Rache lacht nun den Frohen! Auf lach‘ ich in heiliger Lust, halt‘ ich dich Hehre umfangen, fühl‘ ich dein schlagendes Herz! (Die große Thüre springt auf.) |
| Sieglinde Ha, wer ging? wer kam herein? (Die Thüre bleibt geöffnet: außen herrliche Früh- lings nacht; der Vollmond leuchtet herein, und wirft sein helles Licht auf das Paar, das so sich plötzlich in voller Deutlichkeit wahrnehmen kann.)Siegmund (in leiser Entzückung) Keiner ging, doch Einer kam: siehe, der Lenz lacht in den Saal! (Siegmund zieht Sieglinde mit sanfter Gewalt zu sich auf das Lager, so daß sie neben ihm zu sitzen kommt. Wachsende Helligkeit des Mondscheines.) Winterstürme wichen dem Wonnemond, in mildem Lichte leuchtet der Lenz; auf linden Lüften, leicht und lieblich, Wunder webend er sich wiegt; durch Wald und Auen weht sein Athem, weit geöffnet lacht sein Aug‘: aus sel’ger Vöglein Sange süß ertönt, holde Düfte haucht er aus: seinem warmen Blut entblühen wonnige Blumen, Keim und Sproß entspringt seiner Kraft. Mit zarter Waffen Zier bezwingt er die Welt; Winter und Sturm wichen der starken Wehr: wohl mußte den tapfern Streichen die strenge Thüre auch weichen, die trotzig und starr uns trennte von ihm. Zu seiner Schwester schwang er sich her; die Liebe lockte den Lenz: in uns’rem Busen barg sie sich tief; nun lacht sie selig dem Licht. Die bräutliche Schwester befreite der Bruder; zertrümmert liegt was je sie getrennt; jauchzend grüßt sich das junge Paar: vereint sind Liebe und Lenz! |
| Sieglinde Du bist der Lenz nach dem ich verlangte in frostigen Winters Frist. Dich grüßte mein Herz mit heiligem Grau’n, als dein Blick zuerst mir erblühte. Fremdes nur sah ich von je, freundlos war mir das Nahe; als hätt‘ ich nie es gekannt, war was immer mir kam. Doch dich kannt ich deutlich und klar: als mein Auge dich sah, warst du mein Eigen: was im Busen ich barg, was ich bin, hell wie der Tag taucht‘ es mir auf, wie tönender Schall schlug’s an mein Ohr, als in frostig öder Fremde zuerst ich den Freund ersah. (Sie hängt sich entzückt an seinen Hals, und blickt ihm nahe in’s Gesicht.)Siegmund (mit Hingerissenheit) O süßeste Wonne! seligstes Weib! Sieglinde Siegmund |
| was mich berückt errath‘ ich nun leicht denn wonnig weidet mein Blick.Sieglinde (schlägt ihm die Locken von der Stirn zurück und betrachtet ihn staunend) Wie dir die Stirn so offen steht, der Adern Geäst in den Schläfen sich schlingt! Mir zagt es vor der Wonne die mich entzückt! Ein Wunder will mich gemahnen: den heut‘ zuerst ich erschaut, mein Auge sah dich schon! Siegmund Sieglinde Siegmund Sieglinde Siegmund Sieglinde |
| Siegmund Nicht heiß‘ mich so, seit du mich liebst: nun walt‘ ich der hehrsten Wonnen!Sieglinde Und Friedmund darfst du froh dich nicht nennen? Siegmund Sieglinde Siegmund Sieglinde |
| Siegmund, so nenn‘ ich dich! Siegmund Sieglinde Siegmund |
DIE WALKÜREN AKT II
| Vorspiel und erste Scene (Der Vorhang geht auf.) |
| Wotan (kriegerisch gewaffnet, mit dem Speer; vor ihm Brünnhilde, als Walküre, ebenfalls in voller Waffenrüstung) Nun zäume dein Roß, reisige Maid; bald entbrennt brünstiger Streit. Brünnhilde stürme zum Streit, dem Wälsung kiese sie Sieg! Hunding wähle sich, wem er gehört; nach Walhall taugt er mir nicht. Drum rüstig und rasch, reite zur Wal!Brünnhilde (jauchzend von Fels zu Fels die Höhe rechts hinauf springend) Hojotoho! hojotoho! heiaha! heiaha! hojotoho! hojotoho! heiaha! heiaha! hojotoho! hojotoho! hojotoho! hojotoho! heiaha ha! hojoho! (Sie hält auf einer hohen Felsenspitze an, blickt in die hintere Schlucht hinab, und ruft zu Wotan zurück.) Dir rath‘ ich, Vater, rüste dich selbst; harten Sturm sollst du besteh’n. Fricka naht, deine Frau im Wagen mit dem Widdergespann. Hei! wie die gold’ne Geisel sie schwingt! Die armen Thiere ächzen vor Angst; wild raßeln die Räder; zornig fährt sie zum Zank. In solchem Strauße streit‘ ich nicht gern, lieb ich auch muthiger Männer Schlacht; drum sieh wie den Sturm du bestehst: ich lustige lass‘ dich im Stich. Hojotoho! hojotoho! heiaha! heiaha! hojotoho! hojotoho! heiaha! heiaha! hojotoho! hojotoho! hojotoho! hojotoho! heiaha ha! (Brünnhilde verschwindet hinter der Gebirgshöhe zur Seite.) (In einem mit zwei Widdern bespannten Wagen, langt Fricka aus der Schlucht auf dem Felsjoche an: dort hält sie rasch an und steigt aus. Sie schreitet heftig in den Vordergrund auf Wotan zu.) |
| Wotan (Fricka auf sich zuschreiten sehend, für sich) Der alte Sturm, die alte Müh‘! Doch stand muß ich hier halten!Fricka (je näher sie kommt, mäßigt sie den Schritt, und stellt sich mit Würde vor Wotan hin) Wo in Bergen du dich birgst, der Gattin Blick zu entgeh’n, einsam hier such ich dich auf, daß Hülfe du mir verhießest. Wotan Fricka Wotan Fricka Wotan |
| Fricka Achtest du rühmlich der Ehe Bruch, so prahle nun weiter und preiß‘ es heilig, daß Blutschande entblüht dem Bund eines Zwillingspaars! Mir schaudert das Herz, es schwindelt mein Hirn: bräutlich umfing die Schwester der Bruder! Wann ward es erlebt, daß leiblich Geschwister sich liebten?Wotan Heut hast du’s erlebt! Erfahre so, was von selbst sich fügt, sei zuvor auch noch nie es gescheh’n. Daß jene sich lieben, leuchtet dir hell; drum höre redlichen Rath: soll süße Lust deinen Segen dir lohnen, so segne, lachend der Liebe, Siegmunds und Sieglindes Bund! Fricka |
| O was klag‘ ich um Ehe und Eid, da zuerst du selbst sie versehrt. Die treue Gattin trogest du stets; wo eine Tiefe, wo eine Höhe, dahin lugte lüstern dein Blick, wie des Wechsels Lust du gewännest, und höhnend kränktest mein Herz. Trauernden Sinnes mußt ich’s ertragen, zogst du zur Schlacht mit den schlimmen Mädchen, die wilder Minne Bund dir gebar: denn dein Weib noch scheutest du so, daß der Walküren Schaar, und Brünnhilde selbst, deines Wunsches Braut, in Gehorsam der Herrin du gabst. Doch jetzt, da dir neue Namen gefielen, als „Wälse“ wölfisch im Walde du schweiftest; jetzt, da zu niedrigster Schmach du dich neigtest, gemeiner Menschen ein Paar zu erzeugen: jetzt dem Wurfe der Wölfin wirfst du zu Füßen dein Weib! So führ‘ es denn aus! Fülle das Maaß! Die Betrog’ne laß auch zertreten!Wotan (ruhig) Nichts lerntest du, wollt‘ ich dich lehren, was nie du erkennen kannst, eh‘ nicht ertagte die That. Stets gewohntes nur magst du verstehn: doch was noch nie sich traf, danach trachtet mein Sinn. Eines höre! Noth thut ein Held, der ledig göttlichen Schutzes, sich löse vom Göttergesetz. So nur taugt er zu wirken die That, die, wie Noth sie den Göttern, dem Gott doch zu wirken verwehrt. Fricka |
| Wotan Ihres eig’nen Muthes achtest du nicht?Fricka Wer hauchte Menschen ihn ein? Wer hellte den Blöden den Blick? In deinem Schutz scheinen sie stark, durch deinen Stachel streben sie auf: du reizest sie einzig, die so mir Ew’gen du rühmst, Mit neuer List willst du mich belügen, durch neue Ränke mir jetzt entrinnen, doch diesen Wälsung gewinnst du dir nicht; in ihm treff‘ ich nur dich, denn durch dich trotzt er allein. Wotan Fricka Wotan Fricka Wotan |
| Fricka (eifrig fortfahrend) Du schufst ihm die Noth, wie das neidliche Schwert. Willst du mich täuschen, die Tag und Nacht auf den Fersen dir folgt? Für ihn stießest du das Schwert in den Stamm, du verhießest ihm die hehre Wehr: willst du es läugnen, daß nur deine List ihn lockte, wo er es fänd‘? (Wotan fährt mit einer grimmigen Gebärde auf.) (immer sicherer, da sie den Eindruck gewahrt, den sie auf Wotan hervorgebracht hat) Mit Unfreien streitet kein Edler, den Frevler straft nur der Freie. Wider deine Kraft führt‘ ich wohl Krieg: doch Siegmund verfiel mir als Knecht. (Neue heftige Gebärde Wotans, dann Versinken in das Gefühl seiner Ohnmacht.) Der dir als Herren hörig und eigen, gehorchen soll ihm dein ewig Gemahl? Soll mich in Schmach der niedrigste schmähen dem Frechen zum Sporn, dem Freien zum Spott? Das kann mein Gatte nicht wollen, die Göttin entweiht er nicht so!Wotan (finster) Was verlangst du? Fricka |
| Wotan (mit gedämpfter Stimme) Er geh‘ seines Weg’s.Fricka Doch du schütze ihn nicht, wenn zur Schlacht ihn der Rächer ruft! Wotan Fricka Wotan Fricka Wotan Fricka Brünnhilde Fricka |
| Brünnhilde Heiaha! heiaha! Heiohotojo hotojoha!Wotan Ich rief sie für Siegmund zu Roß! (Brünnhilde erscheint mit ihrem Roß auf dem Felsenpfade rechts. Als sie Fricka gewahrt, bricht sie schnell ab, und geleitet ihr Roß still und langsam, während des Folgenden den Felsweg herab: dort birgt sie es dann in einer Höhle.) Fricka Wotan Fricka |
| Zweite Scene Brünnhilde Wotan Brünnhilde Wotan |
| Brünnhilde (sehr leise) Zu Wotans Willen sprichst du, sagst du mir was du willst; wer bin ich, wär‘ ich dein Wille nicht?Wotan (sehr leise) Was keinem in Worten ich künde, unausgesprochen bleib‘ es denn ewig: mit mir nur rath‘ ich, red‘ ich zu dir. (mit gänzlich gedämpfter Stimme) Als junger Liebe Lust mir verblich, verlangte nach Macht mein Muth: von jäher Wünsche Wüthen gejagt, gewann ich mir die Welt;unwissend trugvoll, Untreue übt‘ ich, band durch Verträge was Unheil barg: listig verlockte mich Loge, der schweifend nun verschwand. Von der Liebe doch mocht‘ ich nicht lassen, in der Macht verlangt‘ ich nach Minne. Den Nacht gebar, der bange Nibelung, Alberich, brach ihren Bund; er fluchte der Lieb‘ und gewann durch den Fluch des Rheines glänzendes Gold, und mit ihm maaßlose Macht. Den Ring, den er schuf, entriß ich ihm listig; doch nicht dem Rhein gab ich ihn zurück: mit ihm bezahlt‘ ich Walhalls Zinnen, der Burg, die Riesen mir bauten, aus der ich der Welt nun gebot. Die Alles weiß, was einsten war, Erda, die weihlich weiseste Wala, rieth mir ab von dem Ring, warnte vor ewigem Ende. (etwas heftiger) Von dem Ende wollt‘ ich mehr noch wissen; doch schweigend entschwand mir das Weib. |
| (belebend) Da verlor ich den leichten Muth, zu wissen begehrt‘ es den Gott: in den Schooß der Welt schwang ich mich hinab, mit Liebeszauber zwang ich die Wala, stört‘ ihres Wissens Stolz, daß sie Rede nun mir stand. Kunde empfing ich von ihr; von mir doch empfing sie ein Pfand: der Welt weisestes Weib gebar mir, Brünnhilde, dich. Mit acht Schwestern zog ich dich auf; durch euch Walküren wollt‘ ich wenden, was mir die Wala zu fürchten schuf: ein schmähliches Ende der Ew’gen. Daß stark zum Streit uns fände der Feind, ließ ich euch Helden mir schaffen: die herrisch wir sonst in Gesetzen hielten, die Männer, denen den Muth wir gewehrt, die durch trüber Verträge trügende Bande zu blindem Gehorsam wir uns gebunden, (immer belebter, doch mit gemäßigster Stärke) die solltet zu Sturm und Streit ihr nun stacheln ihre Kraft reizen zu rauhem Krieg, daß kühner Kämpfer Scharen ich sammle in Walhalls Saal! |
| Brünnhilde Deinen Saal füllten wir weidlich: viele schon führt‘ ich dir zu. Was macht dir nun Sorge, da nie wir gesäumt?Wotan (wieder gedämpfter) Ein Andres ist’s: achte es wohl, wess‘ mich die Wala gewarnt! Durch Alberichs Heer droht uns das Ende: mit neidischem Grimm, grollt mir der Niblung: (belebend) doch scheu‘ ich nun nicht seine nächtigen Schaaren, meine Helden schüfen mir Sieg. (gedämpfter) Nur wenn je den Ring zurück er gewänne, (noch gedämpfter) dann wäre Walhall verloren: der der Liebe fluchte, er allein nützte neidisch des Ringes Runen zu aller Edlen endloser Schmach; (belebend) der Helden Muth entwendet‘ er mir, die Kühnen selber zwäng er zum Kampf, mit ihrer Kraft bekriegte er mich. (gedämpft) Sorgend sann ich nun selbst, den Ring dem Feind zu entreißen. (gedämpft) Der Riesen einer, denen ich einst mit verfluchtem Gold den Fleiß vergalt: Fafner hütet den Hort, um den er den Bruder gefällt. Ihm müßt‘ ich den Reif entringen, den selbst als Zoll ich ihm zahlte. Doch mit dem ich vertrug, ihn darf ich nicht treffen; machtlos vor ihm erläge mein Muth: (bitter) das sind die Bande, die mich binden: der durch Verträge ich Herr, den Verträgen bin ich nun Knecht. |
| Nur einer könnte, was ich nicht darf: ein Held, dem helfend nie ich mich neigte, der fremd dem Gotte, frei seiner Gunst, unbewußt, ohne Geheiß aus eig’ner Noth, mit der eig’nen Wehr schüfe die That, die ich scheuen muß, die nie mein Rath ihm rieth, wünscht sie auch einzig mein Wunsch! Der, entgegen dem Gott, für mich föchte, den freundlichen Feind, wie fände ich ihn? Wie schüf‘ ich den Freien, den nie ich schirmte, der im eig’nen Trotze der trauteste mir? Wie macht ich den Andren, der nicht mehr ich, und aus sich wirkte was ich nur will? O, göttliche Noth! Gräßliche Schmach! Zum Ekel find‘ ich ewig nur mich in Allem was ich erwirke; das And’re, das ich ersehne, das And’re erseh‘ ich nie: denn selbst muß der Freie sich schaffen; Knechte erknet‘ ich mir nur.Brünnhilde Doch der Wälsung, Siegmund? wirkt er nicht selbst? Wotan Brünnhilde |
| Wotan Ich berührte Alberichs Ring, gierig hielt ich das Gold! Der Fluch, den ich floh, nicht flieht er nun mich: Was ich liebe, muß ich verlassen, morden wen je ich minne, trügend verrathen, wer mir traut! (Wotans Gebärde geht aus dem Ausdruck des furcht barsten Schmerzes zu dem der Verzweiflung über.) Fahre denn hin, herrische Pracht, göttlichen Prunkes prahlende Schmach! Zusammen breche was ich gebaut! Auf geb‘ ich mein Werk; nur Eines will ich noch: das Ende, das Ende! (Er hält sinnend ein.) Und für das Ende sorgt Alberich; jetzt versteh‘ ich den stummen Sinn des wilden Wortes der Wala: „wenn der Liebe finstrer Feind zürnend zeugt einen Sohn, der Selgen Ende säumt dann nicht.“ Vom Niblung jüngst vernahm ich die Mähr‘, daß ein Weib der Zwerg bewältigt, dess‘ Gunst Gold ihm erzwang: Des Hasses Frucht hegt eine Frau; des Neides Kraft kreiß’t ihr im Schooß; das Wunder gelang dem Liebelosen; doch der in Lieb‘ ich freite, den Freien, erlang‘ ich mir nicht. (mit bittrem Grimm sich aufrichtend) So nimm, meinen Segen, Niblungen Sohn! Was tief mich ekelt, dir geb‘ ich’s zum Erbe, der Gottheit nichtigen Glanz: zernage ihn gierig dein Neid! |
| Brünnhilde (erschrocken) O sag‘, künde, was soll nun dein Kind?Wotan (bitter) Fromm streite für Fricka; hüte ihr Eh‘ und Eid! (trocken) Was sie erkor, das kiese auch ich: was frommte mir eig’ner Wille? Einen Freien kann ich nicht wollen: für Frickas Knechte, kämpfe nun du! Brünnhilde Wotan Brünnhilde |
| Wotan Ha, Freche du! Frevelst du mir? Wer bist du, als meines Willens blind wählende Kür? Da mit dir ich tagte, sank ich so tief, daß zum Schimpf der eignen Geschöpfe ich ward? Kennst du, Kind, meinen Zorn? Verzage dein Muth wenn je zermalmend auf dich stürzte sein Strahl! In meinem Busen berg‘ ich den Grimm, der in Grau’n und Wust wirft eine Welt, die einst zur Lust mir gelacht: wehe dem, den er trifft! Trauer schüf‘ ihm sein Trotz! Drum rath‘ ich dir, reize mich nicht! Besorge, was ich befahl: Siegmund falle! Diess sei der Walküre Werk! (Er stürmt fort, und verschwindet schnell links in Gebirge. Brünnhilde steht lange erschrocken und betäubt.)Brünnhilde So sah ich Siegvater nie, erzürnt‘ ihn sonst wohl auch ein Zank. (Sie neigt sich betrübt, und nimmt ihre Waffen auf, mit denen sie sich wieder rüstet.) Schwer wiegt mir der Waffen Wucht! Wenn nach Lust ich focht, wie waren sie leicht! Zu böser Schlacht schleich‘ ich heut‘ so bang. (Sie sinnt vor sich hin.) (seufzend) Weh‘, mein Wälsung! Im höchsten Leid muß dich treulos die Treue verlassen! (Sie wendet sich langsam dem Hintergrunde zu.) |
| Dritte Scene (Auf dem Bergjoche angelangt, gewahrt Brünnhilde, Siegmund Sieglinde Siegmund Sieglinde |
| da seligste Lust sie fand, da ganz sie minnte der Mann, der ganz ihr Minne geweckt vor der süßesten Wonne heiligster Weihe, die ganz ihr Sinn und Seele durchdrang, Grauen und Schauder ob gräßlichster Schande, mußte mit Schreck die Schmähliche fassen, die je dem Manne gehorcht, der ohne Minne sie hielt! Laß‘ die Verfluchte, laß‘ sie dich fliehn! Verworfen bin ich, der Würde baar: dir reinstem Manne muß ich entrinnen, dir herrlichem darf ich nimmer gehören. Schande bring‘ ich dem Bruder, Schmach dem freienden Freund!Siegmund Was je Schande dir schuf das büßt nun des Frevlers Blut! Drum fliehe nicht weiter; harre des Feindes; hier soll er mir fallen: wenn Nothung ihm das Herz zernagt, Rache dann hast du erreicht! Sieglinde |
| du fällst in Stücken zerstaucht das Schwert: die Esche stürzt, es bricht der Stamm! Bruder! Mein Bruder!(Sie sinkt ohnmächtig in Siegmunds Arme.) Siegmund, ha!Siegmund Schwester! Geliebte! (Er lauscht ihrem Athem und überzeugt sich daß sie noch lebe. Er läßt sie an sich herabgleiten, so daß sie, als er sich selbst zum Sitze niederläßt, mit ihrem Haupte auf seinem Schooß zu ruhen kommt. In dieser Stellung verbleiben Beide bis zum Schlusse des folgen den Auftrittes.) (Langes Schweigen, während dessen Siegmund mit zärtlicher Sorge über Sieglinde sich hinneigt, und mit einem langen Kusse ihr die Stirne küßt.) |
| Vierte Scene (Brünnhilde, ihr Roß am Zaume geleitend, tritt aus Brünnhilde Siegmund Brünnhilde Siegmund Brünnhilde Siegmund |
| Brünnhilde Gefall’ner Helden hehre Schaar umfängt dich hold mit hochheiligem Gruß.Siegmund Fänd‘ ich in Walhall Wälse, den eig’nen Vater?Brünnhilde Den Vater findet der Wälsung dort! Siegmund Brünnhilde Siegmund Brünnhilde Siegmund Brünnhilde |
| Siegmund Wo Sieglinde lebt in Lust und Leid, da will Siegmund auch säumen: noch machte dein Blick nicht mich erbleichen; vom Bleiben zwingt er mich nie!Brünnhilde So lang du lebst, zwäng‘ dich wohl nichts: doch zwingt dich Thoren der Tod: ihn dir zu künden kam ich her. Siegmund Brünnhilde Siegmund Brünnhilde Siegmund Brünnhilde |
| Siegmund (heftig) Schweig und schrecke die Schlummernde nicht! (Er beugt sich mit hervorbrechendem Schmerze zärtlich über Sieglinde.) Weh! weh! Süßestes Weib! Du traurigste aller Getreuen! Gegen dich wüthet in Waffen die Welt: und ich, dem du einzig vertraut, für den du ihr einzig getrotzt, mit meinem Schutz nicht soll ich dich schirmen, die Kühne verrathen im Kampf? Ha Schande ihm der das Schwert mir schuf, beschied‘ er mir Schimpf für Sieg! Muß ich denn fallen, nicht fahr‘ ich nach Walhall: Hella halte mich fest! (Er neigt sich tief zu Sieglinde.)Brünnhilde (erschüttert) So wenig achtest du ewige Wonne? (zögernd und zurückhaltend) Alles wär‘ dir das arme Weib, das müd‘ und harmvoll matt von dem Schooße dir hängt? Nichts sonst hieltest du hehr? Siegmund |
| Brünnhilde Ich sehe die Noth, die das Herz dir zernagt, ich fühle des Helden heiligen Harm. Siegmund, befiel mir dein Weib: mein Schutz umfange sie fest!Siegmund Kein andrer als ich soll die Reine lebend berühren: verfiel ich dem Tod, die Betäubte tödt‘ ich zuvor! Brünnhilde |
| Brünnhilde (im heftigsten Sturme des Mitgefühles) Halt‘ ein! Wälsung! Höre mein Wort! Sieglinde lebe, und Siegmund lebe mit ihr! Beschlossen ist’s; das Schlachtloos wend‘ ich: dir, Siegmund, schaff‘ ich Segen und Sieg! Hörst du den Ruf? Nun rüste dich, Held! Traue dem Schwert, und schwing‘ es getrost: treu hält dir die Wehr, wie die Walküre treu dich schützt! Leb‘ wohl, Siegmund, seligster Held! Auf der Walstatt seh‘ ich dich wieder! (Sie stürmt fort, und verschwindet mit dem Rosse rechts in einer Seitenschlucht. Siegmund blickt ihr freudig und erhoben nach.) (Die Bühne hat sich allmählig verfinstert; schwere Gewitterwolken senken sich auf den Hintergrund herab, und hüllen die Gebirgswände, die Schlucht und das erhöhte Bergjoch nach und nach gänzlich ein.) |
| Fünfte Scene (Siegmund neigt sich wieder über Sieglinde, dem Siegmund Sieglinde |
| Hunding (im Hintergrunde vom Bergjoch her) Wehwalt! Wehwalt! Steh‘ mir zum Streit, sollen dich Hunde nicht halten.Siegmund (von weiter hinten her aus der Schlucht) Wo birgst du dich, daß ich vorbei dir schoß? Steh‘, daß ich dich stelle! Sieglinde Hunding Siegmund Sieglinde |
| Brünnhilde Triff‘ ihn, Siegmund! traue dem Schwert! (In dem Lichtglanze erscheint Brünnhilde, über Siegmund schwebend, und diesen mit dem Schilde deckend. Als Siegmund soeben zu einem tödtlichen Streiche auf Hunding ausholt, bricht von links her ein glühend röthlicher Schein durch das Gewölk aus, in welchem Wotan erscheint, über Hunding stehend, und seinen Speer Siegmund quer entgegenhaltend.)Wotan Zurück vor dem Speer! In Stücken das Schwert! (Brünnhilde weicht erschrocken vor Wotan mit dem Schilde zurück: Siegmunds Schwert zerspringt an dem vorgehaltenen Speere. Dem Unbewehrten stößt Hunding seinen Speer in die Brust. Siegmund stürzt todt zu Boden. Sieglinde, die seinen Todes- seufzer gehört, sinkt mit einem Schrei wie leblos zusammen.) (Mit Siegmunds Fall ist zugleich von beiden Seiten der glänzende Schein verschwunden; dichte Finster- niss ruht im Gewölk bis nach vorn: in ihm wird undeutlich Brünnhilde sichtbar, wie sie in jäher Hast sich Sieglinden zuwendet.) Brünnhilde |
| Wotan (zu Hunding) Geh‘ hin, Knecht! Knie vor Fricka: meld‘ ihr, daß Wotans Speer gerächt, was Spott ihr schuf. Geh! Geh! (Vor seinem verächtlichen Handwink sinkt Hun- ding todt zu Boden.) (plötzlich in furchtbarer Wuth auffahrend) Doch Brünnhilde! Weh‘ der Verbrecherin! Furchtbar sei die Freche gestraft, erreicht mein Roß ihre Flucht!(Er verschwindet mit Blitz und Donner. Der Vor- hang fällt schnell.) |
DIE WALKÜREN AKT III
| Erste Scene (Der Vorhang geht auf. Auf dem Gipfel eines (Einzelne Wolkenzüge jagen, wie vom Sturm Gerhilde Helmwige |
| Gerhilde, Waltraute, Schwertleite (alle drei der Ankommenden entgegen rufend) Heiaha! Heiaha! (Die Wolke mit der Erscheinung ist rechts hinter dem Tann verschwunden.)Ortlinde (in den Tann hinein rufend) Zu Ortlindes Stute stell‘ deinen Hengst: mit meiner Grauen gras’t gern dein Brauner! Waltraute Helmwige Schwertleite Gerhilde Ortlinde |
| Helm., Ger., Schw. (lachend) Ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha!Gerhilde Der Recken Zwist entzweit noch die Rosse! Helmwige Waltraute Siegrune Schwertleite Waltraute Gerhilde |
| Waltraute, Schwertleite Heiaha! (Ihre Gebärden sowie ein heller Glanz hinter dem Tann, zeigen an, daß soeben Siegrune dort angelangt ist.)Grimgerde (von links im Hintergrunde, von außen) Hojotoho! Roßweiße Grimgerde, Roßweiße Waltraute Gerhilde (In einem blitz-erglänzenden Wolkenzuge, der von Helm., Ort., Siegr. Roßweiße, Grimgerde |
| Die sechs anderen Walküren Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! Hojotoho! Heiaha! Hojotoho! Heiaha! Hojotoho! Heiaha! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! Heiaha!Gerhilde (in den Tann rufend) In Wald mit den Rossen zu Rast und Weid! Ortlinde Waltraute, Schwertleite Gerhilde, Siegrune Helmwige Wal., Schw., Helm., Ger. Ortlinde, Siegrune Roßweiße, Grimgerde |
| Die sechs anderen Walküren Willkommen! Willkommen!Die acht Walküren Willkommen! Schwertleite Grimgerde Roßweiße Helmwige Gerhilde Waltraute Siegrune |
| Die acht Walküren Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Brünnhilde, hei! (Sie spähen mit wachsender Verwunderung.)Waltraute Nach dem Tann lenkt‘ sie das taumelnde Roß. Grimgerde Roßweiße Ortlinde Helmwige Siegrune Gerhilde Schwertleite Waltraute Ortlinde |
| Helmwige, Gerhilde (beide nach dem Tann laufend) Hojotoho! Hojotoho!Siegrune, Roßweiße (ihnen nach laufend) Hojotoho! Hojotoho! Die fier anderen Walküren Waltraute Grimgerde Ort., Wal., Grim., Schw. Brünnhilde Grim., Siegr., Ger., Helm. Ortl., Wal., Roß., Schw. Siegrune Brünnhilde |
| Helm., Ger., Siegr., Grim. Bist du von Sinnen? Sage uns! Wie? Flieh’st du vor ihm?Ort., Wal., Roß., Schw. Ha! Sprich! Verfolgt dich Heervater? O sag‘! Brünnhilde Brünnhilde Ortlinde Waltraute Die anderen sechs Walküren Brünnhilde Sechs Walküren |
| Brünnhilde Hört mich in Eile: Sieglinde ist es, Siegmunds Schwester und Braut: gegen die Wälsungen wüthet Wotan in Grimm; dem Bruder sollte Brünnhilde heut entziehen den Sieg; doch Siegmund schützt‘ ich mit meinem Schild, trotzend dem Gott; der traf ihn da selbst mit dem Speer: Siegmund fiel; doch ich floh fern mit der Frau; sie zu retten eilt‘ ich zu euch ob mich Bange auch (kleinmüthig) ihr berget vor dem strafenden Streich!Sechs Walküren (in größter Bestürzung) Bethörte Schwester, was thatest du? Wehe! Brünnhilde, wehe! Helm., Siegr., Grim. Ger., Roß., Schw. Waltraute Ortlinde |
| Roß., Grim., Schw. Wild wiehert Walvaters Roß.Helm., Ger., Schw. Schrecklich schnaubt es daher! Brünnhilde Siegrune Brünnhilde Roßweiße Brünnhilde Helmwige Brünnhilde |
| Sieglinde Nicht sehre dich Sorge um mich: einzig taugt mir der Tod. Wer hieß dich Maid, dem Harst mich entführen? Im Sturm dort hätt‘ ich den Streich empfah’n von derselben Waffe, der Siegmund fiel: das Ende fand ich vereint mit ihm! Fern von Siegmund. Siegmund, von dir! O deckte mich Tod, daß ich’s denke! Soll um die Flucht dir Maid ich nicht fluchen, so erhöre heilig mein Flehen: stoße dein Schwert mir in’s Herz!Brünnhilde Lebe, o Weib, um der Liebe willen! Rette das Pfand das von ihm du empfing’st: (stark und drängend) ein Wälsung wächst dir im Schooß! (Sieglinde erschrickt zunächst heftig: sogleich strahlt aber ihr Gesicht in erhabener Freude auf.) Sieglinde |
| Waltraute (auf der Warte) Der Sturm kommt heran!Ortlinde (auf der Warte) Flieh‘, wer ihn fürchtet! Die sechs anderen Walküren Sieglinde Brünnhilde Sieglinde Brünnhilde Siegrune Schwertleite |
| Grimgerde Nicht geheu’r ist’s dort für ein hülflos Weib.Brünnhilde Und doch vor Wotans Wuth schützt sie sicher der Wald: ihn scheut‘ der Mächt’ge, und meidet den Ort. Waltraute Sechs Walküren Brünnhilde |
| Sieglinde (in größter Rührung) O hehrstes Wunder! Herrlichste Maid! Dir Treuen dank‘ ich heiligen Trost! Für ihn, den wir liebten, rett‘ ich das Liebste: meines Dankes Lohn lache dir einst! Lebe wohl! dich segnet Sieglindes Weh‘! (Sie eilt rechts im Vordergrunde von dannen.) (Die Felsenhöhle ist von schwarzen Gewitter- wolken umlagert; furchtbarer Sturm braust aus dem Hintergrunde daher, wachsender Feuerschein rechts daselbst.)Wotan (von außen) Steh‘! Brünnhild‘! Ortlinde, Waltraute Alle acht Walküren Brünnhilde Die Walküren |
| Zweite Scene (Wotan tritt in höchster zorniger Aufgeregtheit aus Wotan Die acht Walküren Wotan Roßweiße Siegr., Roß., Grim., Schw. Waltraute Siegrune Schwertleite, Grimgerde |
| Ortlinde Vater, hör‘ uns fleh’n!Roßweiße, Waltraute Für die bange Schwester bitten wir nun, daß den ersten Zorn du bezähm’st! Ger., Helm., Ort. Siegrune Helmwige Wotan |
| Hörst du mich Klage erheben, und birgst dich bang dem Kläger, daß feig du der Straf‘ entflöh’st? (Brünnhilde tritt aus der Schaar der Walküren her- vor, schreitet demüthigen, doch festen Schrittes von der Felsenspitze herab, und tritt so in geringer Entfernung vor Wotan.)Brünnhilde Hier bin ich, Vater: gebiete die Strafe! Wotan Brünnhilde |
| Wotan Nicht send‘ ich dich mehr aus Walhall; nicht weis‘ ich dir mehr Helden zur Wal; nicht führst du mehr Sieger in meinen Saal: bei der Götter, trautem Mahle das Trinkhorn nicht reich’st du traulich mir mehr; nicht kos‘ ich dir mehr den kindischen Mund; von göttlicher Schaar bist du geschieden, ausgestoßen aus der Ewigen Stamm: gebrochen ist unser Bund, aus meinem Angesicht bist du verbannt. (Die Walküren verlassen, in aufgeregter Beweg- ung, ihre Stellung, indem sie sich etwas tiefer herabziehen.)Die Walküren Wehe! Weh! Schwester, ach Schwester! Brünnhilde |
| Wotan Der dich zwingt, wird dir’s entzieh’n! Hieher auf den Berg banne ich dich; in wehrlosen Schlaf schließe ich dich: der Mann dann fange die Maid, der am Wege sie findet und weckt. (In höchster Aufregung kommen die Walküren von der Felsenhöhe ganz herab, und umgeben in ängstlichen Gruppen Brünnhilde, welche halb knie- end vor Wotan liegt.)Waltraute Halt‘ ein, halt‘ ein O Vater! soll die Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann? Ach wende die Schmach! ach wende die schreiende Schmach! wende die Schmach ach wende schrecklicher die Schmach ach wende, wende die Schmach wie die Schwester träf‘ uns auch ihr Schimpf; Ortlinde Grimgerde |
| Schwertleite O Vater! Soll die Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann? Soll die Maid verblüh’n und verbleichen? Ach wende ab die Schmach! ach wende du schrecklicher, wende, ach wende von ihr diese schreiende Schmach ach wende die Schmach! ach wende, wende die Schmach! wie sie träf‘ uns ihr Schimpf;Helmwige Halt‘ ein den Fluch! Halt‘ ein! hör unser Fleh’n! wende von ihr die schreiende Schmach! Schrecklicher Gott! wende von ihr die schreiende Schmach! Wie die Schwester träf‘ uns auch ihr Schimpf; |
| Gerhilde Halt‘ ein den Fluch! O Vater! soll die Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann? du sc hrecklicher schrecklicher Gott! wende die Schmach schrecklicher ach wende die Schmach! Wie die Schwester träf‘ uns auch der Schimpf, soll die heilige Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann;Siegrune Halt‘ ein den Fluch! Soll die Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann? wende von ihr die schreiende Schmach! schrecklicher, wende von ihr die schreiende Schmach ach wende die Schmach! Wie die Schwester träfe uns selber der Schimpf, soll die heil’ge Maid verblüh’n und verbleichen dem Mann; Roßweiße |
| Alle Walküren Wie die Schwester träf‘ uns selbst auch der Schimpf!Wotan Hörtet ihr nicht, was ich verhängt? Aus eurer Schaar ist die treulose Schwester geschieden; mit euch zu Roß durch die Lüfte nicht reitet sie länger; die magdliche Blume verblüht der Maid; ein Gatte gewinnt ihre weibliche Gunst: dem herrischen Manne gehorcht sie fortan; am Herde sitzt sie und spinnt, aller Spottenden Ziel und Spiel! (Brünnhilde sinkt mit einem Schrei zu Boden; die Walküren weichen entsetzt, mit heftigem Geräusch von ihrer Seite.) Schreckt euch ihr Loos? So flieht die Verlor’ne! Weichet von ihr und haltet euch fern! Wer von euch wagte bei ihr zu weilen, wer mir zum Trotz zu der Traurigen hielt; die Thörin theilte ihr Loos: das künd‘ ich der Kühnen an! Fort jetzt von hier, meidet den Felsen! Hurtig jagt mir von hinnen, sonst erharrt Jammer euch hier! (Die Walküren fahren mit wildem Schrei ausein- ander und stürzen in hastiger Flucht in den Tann.) |
| Die Walküren Weh‘! Weh‘! (Schwarzes Gewölk lagert sich dicht am Felsen- rande: man hört wildes Geräusch im Tann. Ein greller Blitzesglanz bricht in dem Gewölk aus; in ihm erblickt man die Walküren mit verhängtem Zügel, in eine Schaar zusammengedrängt, wild davon jagen.) (Bald legt sich der Sturm; die Gewitterwolken ver- ziehen sich allmählich. In der folgenden Scene bricht, bei endlich ruhigem Wetter, Abenddämmerung ein, der am Schlusse Nacht folgt.) |
| Dritte Scene (Wotan und Brünnhilde, die noch zu seinen Füßen Brünnhilde Wotan Brünnhilde Wotan Brünnhilde |
| Wotan Doch meine Weisung nahm ich wieder zurück!Brünnhilde Als Fricka den eig’nen Sinn dir entfremdet; da ihrem Sinn du dich fügtest, war’st du selber dir Feind. Wotan Brünnhilde Wotan |
| Brünnhilde (leise beginnend) Weil für dich im Auge das Eine ich hielt, dem, im Zwange des Andren schmerzlich entzweit, rathlos den Rücken du wandtest! Die im Kampfe Wotan den Rücken bewacht, die sah nun Das nur, was du nicht sah’st: Siegmund mußt ich seh’n. Tod kündend trat ich vor ihn, gewahrte sein Auge, hörte sein Wort; ich vernahm des Helden heilige Noth; tönend erklang mir des Tapfersten Klage: freiester Liebe furchtbares Leid, traurigsten Muthes mächtigster Trotz! Meinem Ohr erscholl, mein Aug‘ erschaute, was tief im Busen das Herz zu heil’gem Beben mir traf. Scheu und staunend stand ich in Scham. Ihm nur zu dienen konnt‘ ich noch denken: (belebend) Sieg oder Tod mit Siegmund zu theilen: dies nur erkannt‘ ich zu kiesen als Loos! Der diese Liebe mir in’s Herz gehaucht, dem Willen, der dem Wälsung mich gesellt, ihm innig vertraut, trotzt‘ ich deinem Gebot.Wotan So thatest du, was so gern zu thun ich begehrt; doch was nicht zu thun,die Noth zwiefach mich zwang? So leicht wähntest du Wonne des Herzens erworben, wo brennend Weh‘ in das Herz mir brach, wo gräßliche Noth den Grimm mir schuf, einer Welt zu Liebe der Liebe Quell im gequälten Herzen zu hemmen? Wo gegen mich selber ich sehrend mich wandte, aus Ohnmacht Schmerzen schäumend ich aufschooß, wüthender Sehnsucht sengender Wunsch den schrecklichen Willen mir schuf, in den Trümmern der eig’nen Welt meine ew’ge Trauer zu enden: da labte süß dich selige Lust; wonniger Rührung üppigen Rausch enttrank’st du lachend der Liebe Trank, als mir göttlicher Noth nagende Galle gemischt? |
| (trocken und kurz) Deinen leichten Sinn lass‘ dich denn leiten: von mir sagtest du dich los. Dich muß ich meiden, gemeinsam mit dir nicht darf ich Rath mehr raunen; getrennt, nicht dürfen traut wir mehr schaffen: so weit Leben und Luft, darf der Gott dir nicht mehr begegnen!Brünnhilde (einfach) Wohl taugte dir nicht die thör’ge Maid, die staunend im Rathe nicht dich verstand, wie mein eig’ner Rath nur das eine mir rieth: zu lieben was du geliebt. Muß ich denn scheiden und scheu dich meiden, mußt du spalten was einst sich umspannt, die eig’ne Hälfte fern von dir halten daß sonst sie ganz dir gehörte, du Gott, vergiß das nicht! Dein ewig Theil nicht wirst du entehren, Schande nicht wollen, die dich beschimpft: dich selbst ließest du sinken, säh’st du dem Spott mich zum Spiel! Wotan Brünnhilde |
| Wotan Von Walvater schiedest du; nicht wählen darf er für dich.Brünnhilde (leise mit vertraulicher Heimlichkeit) Du zeugtest ein edles Geschlecht; kein Zager kann je ihm entschlagen: der weihlichste Held, ich weiß es, entblüht dem Wälsungenstamm. Wotan Brünnhilde Wotan Brünnhilde Wotan |
| Brünnhilde Was hast du erdacht, daß ich erdulde?Wotan In festen Schlaf verschließ‘ ich dich: wer so die Wehrlose weckt, dem ward, erwacht, sie zum Weib! Brünnhilde Wotan Brünnhilde |
| Wotan Leb‘ wohl, du kühnes, herrliches Kind! Du meines Herzens heiligster Stolz! Leb‘ wohl! leb‘ wohl! leb‘ wohl! (sehr leidenschaftlich) Muß ich dich meiden, und darf nicht minnig mein Gruß dich mehr grüßen; sollst du nun nicht mehr neben mir reiten, noch Meth beim Mahl mir reichen; muß ich verlieren dich, die ich liebe, du lachende Lust meines Auges: ein bräutliches Feuer soll dir nun brennen, wie nie einer Braut es gebrannt! Flammende Gluth umglühe den Fels; mit zehrenden Schrecken scheuch‘ es den Zagen; der Feige fliehe Brünnhildes Fels! Denn Einer nur freie die Braut, der freier als ich, der Gott!(Brünnhilde sinkt, gerührt und begeistert, an Wotans Brust: er hält sie lange umfangen.) (Sie schlägt das Haupt wieder zurück und blickt, immer noch ihn umfassend, feierlich ergriffen Wotan in das Auge.) Der Augen leuchtendes Paar, |
| zum letzten Mal letz‘ es mich heut‘ mit des Lebewohles letztem Kuß! Dem glücklichen Manne glänze sein Stern: dem unseligen Ew’gen muß es scheidend sich schließen. (Er faßt ihr Haupt in beide Hände.) Denn so kehrt der Gott sich dir ab, so küßt er die Gottheit von dir! (Er küßt sie lange auf die Augen. Sie sinkt mit geschlossenen Augen, sanft ermattend, in seine Arme zurück. Er geleitet sie zart auf einen niedrigen Mooshügel zu liegen, über den sich eine breitästige Tanne ausstreckt.)(Er betrachtet sie und schließt ihr den Helm: sein Auge weilt dann auf der Gestalt der Schlafenden, die er mit dem großen Stahlschilde der Walküren ganz zudeckt. Langsam kehrt er sich ab, mit einem schmerzlichen Blicke wendet er sich noch einmal um.) (Er schreitet mit feierlichem Entschlusse in die (Er stößt mit dem Folgenden dreimal mit dem Wer meines Speeres Spitze fürchtet (Er streckt den Speer wie zum Banne aus. Er blickt (Vorhang fällt.) |
Reproduced with express permission from http://www.murashev.com/opera/
Peter Lutz, opera-inside, dem online Opernführer zu DIE WALKÜRE, Die Handlung
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