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DIE WALKÜRE von Richard Wagner – der Opernführer und Handlung

Die Walküre, Wagner

Der online Opernführer zu DIE WALKÜRE

„Die Walküre“ bietet eine Fülle grosser Szenen, die zum grössten der gesamten Opernliteratur gehören. Allen voran Wotans Abschiedsszene und Sieglindes und Siegmunds Liebesglück.

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ÜBERBLICK & SCHNELLZUGRIFF

Inhalt

Handlung

Kommentar

Akt I

Akt II

Akt III

Aufnahme Empfehlung

Höhepunkte

Ein Schwert hiess mir der Vater

Der Männer Sippe

Winterstürme wichen dem Wonnemond

Nothung (Schwert-Szene)

Nun zäume dein Ross, reisige Maid!

Sieh auf mich

Ritt der Walküren (Hojotohe)

So fliehe denn eilig und fliehe allein!

Leb wohl, du kühnes herrliches Kind (Finale)

ROLLEN & HANDLUNG VON DIE WALKÜRE IN 4 MINUTEN

Was bisher geschah

Die Vorgeschichte des Rings

Die Handlung von „Rheingold“ (Teil 1)

Die Handlung von „Die Walküren“

URAUFFÜHRUNG

Bayreuth, 1876

LIBRETTO

Richard Wagner, basierend auf verschiedensten Urquellen. Hauptsächlich zu nennen sind: Die griechische Mythologie, die nordische Edda Saga und Völsung Saga und das deutsche Nibelungenlied.

HAUPTROLLEN

Siegmund, Sohn des Wotans und Bruder der Sieglinde (Tenor) - Sieglinde, Frau von Hunding und Schwester von Siegmund (Sopran) - Brünnhilde, Walküre und Tochter Wotans (Sopran) - Wotan, Gott, Herrscher der Welt, auf der Suche nach dem Ring (Bariton) - Hunding, Ehemann der Sieglinde (Bass).

AUFNAHME EMPFEHLUNG

DECCA mit Jon Vickers, Birgit Nilsson und George London unter der Leitung von Erich Leinsdorf und dem London Symphony Orchestra.

KOMMENTAR

Die Interpretation & viele weitere Informationen

Im Gesamtportrait zum Ring finden Sie die verschiedenen Ansätze zur Interpretation des Werkes vor. Um sie zu lesen, klicken Sie auf den untenstehenden Link. Außerdem finden Sie dort weitere interessante Informationen über Geschichte, Interpretationen, Theorie der Leitmotive usw.

Link zum Portrait zu „Der Ring der Nibelungen.

Drei grosse Höhepunkte des Rings

In der Walküre erleben wir einige der absoluten Höhepunkte des Ringes welche zum grossartigsten gehören, was die Opernliteratur hervorgebracht hat:

Entstehungsgeschichte und Uraufführung

Das Libretto hatte Wagner schon zwei Jahre zuvor fertiggestellt, als Wagner mit der Komposition der Walküre in den Zürcher Jahren 1854 begann. Durch die Bekanntschaft mit Mathilde Wesendonck entfachte sich die Kreativität Wagners von Neuem und der erste Akt ging gut von der Hand. Beim zweiten Akt kämpfte Wagner lange Zeit mit dem grossen Monolog Wotans. 1856 konnte er die Partitur beenden

Wagner wollte die Walküre erst in seinem Theater der Zukunft in Rahmen einer integralen Ring Aufführung der Menschheit präsentieren. Doch Ludwig II wollte nicht bis zu einem undefinierten Tag in der Zukunft warten. Er bessass die Rechte und die Noten und ordnete eine Aufführung im München an. Nach Wagners schändliche Intrige bei der Uraufführung des Rheingolds geschah die Mitwirkung der Walküre gänzlich ohne Wagners Mitwirken. Die Uraufführung erfolgte am 26. Juni im Müncher Nationaltheater statt. Der Erfolg der Oper war triumphal. Ein grosser Teil der Musikwelt (Brahms, Saint-Saens, Liszt) war nach München gepilgert, um das Werk zu sehen. Nur Wagner und Cosima blieben in Tribschen und schmollten, es scheint, als ob er Ludwig lieber ein Fiasko gewünscht hätte als ein Erfolg.

Die Rolle der Brünnhilde

Ein lebenslanges Thema Wagners bildete die Suche nach geeigneten Sängern für seine Werke. Unter der finanziellen Schirmherrschaft seines Gönners Ludwig träumte er von einer Sänger-Akademie, die den sängerischen Nachwuchs ausbildeten, die seine Werke aufführen konnten. Noch in Bayreuth klagte er: «Was hilft es mir, wenn ich noch so schöne Noten schreibe und keinen Sänger finde, der sie zu singen versteht?». Zu den schwierigsten Wagner Rollen gehört die Brünnhilde. In «Die Walküre» tritt sie zum ersten Mal auf und wird zur Hauptgestalt des ganzen Rings. Sie ist eine Tochter von Wotan und Erda und eine der acht Walküren. Das Wort Walküre stammt von «Wal» (Krieg) und «Küre» (die Wahl), deren Aufgabe ist es die gefallenen Helden nach Walhalla zu bringen. Sie ist die Lieblingstochter Wotans und verliert durch ihre Ungehorsamkeit den Götterstatus, wird dadurch in «Siegfried» und «Götterdämmerung» aber zum freien, liebenden Menschen. Musikalisch ist sie neben der Isolde die grösste hochdramatische Rolle des Wagnerschen Repertoires. Genau betrachtet, besteht die Brünnhilde des Rings aus drei verschiedenen Rollen. Die Brünnhilde der «Walküre» ist die Mittlere aber vielseitigste Rolle, während die der «Götterdämmerung» ziemlich tief und die des «Siegfried» sehr hoch liegt. Die Partie ist schwierig zu besetzen, die Beanspruchung der Stimme ist riesig, sie verlangt nach grossem Volumen und die Sängerin benötigt eine langjährige Erfahrung. Dadurch war die Auswahl der Sängerinnen eingeschränkt und viele Sängerinnen haben sich in relativ frühen Jahren ihre Stimme ruiniert. Berühmte Brünnhilde waren Kirsten Flagstadt, Astrid Varnay, Martha Mödl und Birgit Nilsson (im Solti-Ring), Gwyneth Jones (im Chéreau-Ring), in neueren Zeiten darf man Nina Stemme nennen.

Geschwister Liebe und die Verwandschaft zum «Tristan»

Natürlich war die Inzest-Szene des ersten Aktes ein Skandal. Allerdings hatte Wagner das Thema der Geschwisterliebe respektive des schwesterlichen Opfertodes bereits in verschiedenen früheren Werken aufgenommen («Die Sarazenin», «Die Feen», «Rienzi»), nie wurde der Inzest musikalisch und dramatisch aber so offen dargestellt wie in der Walküre. Dazu kam der Ehebruch der Sieglinde. Mit letzterem wurde die Walküre war so etwas wie der Vorgänger von «Tristan und Isolde», des zweiten grossen Ehebruchs der Wagnerschen Musikliteratur. Zur Zeit der Komposition hatte Wagner bereits seine Beziehung zu Mathilde Wesendonck, der Frau seines Gönners Otto, bereits begonnen und es steht ausser Zweifel, dass seine Gedanken bei der Komposition des ersten Aktes der Walküre im Jahr 1854 bereits bei dieser Frau war, die zehn Jahre später seine Inspiration der Isolde wurde. Der mit Minna Planner verheiratete Wagner schrieb auf die Originalpartitur das ominöse «G.S.M.» – was ausgedeutscht hiess: Gesegnet sei Mathilde“).

DIE WALKÜREN AKT I

Das Vorspiel

Handlung: In einem dichten Wald während eines orkanartigen Gewitters. Der verwundete Siegmund ist auf der Flucht.

Mit einfachen Mitteln zeichnet Wagner eine packende Eröffnung der Oper. Mit tremolierenden Streichern beschreibt er die dramatische Flucht Siegmunds und mit punktierten tiefen Streichern und grellen Einwürfen der Blechbläser malt er das Gewitter.

Sie sehen zwei packende Interpretationen mit grossen Dirigenten (Erich Leinsdorf und Wilhelm Furtwängler).

Vorspiel (1) – Leinsdorf / LSO

Vorspiel (2) – Furtwängler / Wiener Philharmoniker

Handlung: Mit letzter Kraft erreicht er Zuflucht in einem einsamen Haus. Es ist die Stätte Hundings und dessen Frau Sieglinde. Sieglinde erbarmt sich und gibt dem Fremden zu Trinken.

Wes Herd dies auch sei, hier muss ich rasten – Vickers / Janowitz

Handlung: Hunding kommt nach Hause. Gedankenvoll erkennt er die Ähnlichkeit von Sieglinde und des Fremden und will seine Geschichte hören. Siegmund erzählt, dass er eines Tages nach Hause kam und seine Mutter tot aufgefunden hatte. Das Haus war verbrannt und es war keine Spur von seiner Zwillingsschwester zu sehen. Er erfuhr später, dass seine Schwester in eine Heirat gezwungen wurde, und er versuchte sie zu retten. In diesem Moment erkennt Hunding Siegmund als seinen Todfeind, den er diese Nach gejagt hatte. Aus Tradition gewährt er Siegmund Gastrecht und fordert ihn für den nächsten Tag zum Duell.

Mit dem Eintritt Hundings ist die zauberhafte Stimmung wie weggefegt. Mit breiten Stakkati ertönt das Hunding Motiv.

Kurz-Zitat „Hunding Motiv“


Handlung: Hunding und Sieglinde begeben sich in ihr Schlafzimmer. Siegmund ist waffenlos dem Feind ausgeliefert. Er entsinnt sich, dass sein Vater ihm einst ein Schwert verhiess. Sehnsüchtig denkt er an die Frau, die ihn so seltsam anzog.

Nun setzt Siegmund zum grossen Monolog «ein Schwert hiess mir der Vater» an. Stolz ertönt schon bald das Schwert-Motiv in den Bläser:

Kurz-Zitat «Schwert Motiv»

Mit mächtiger Stimme beschwört Siegmund die Sippe der Wälse, ihm zum Schwert zu verhelfen.

Ein Schwert hiess mir der Vater – Kaufmann

Die Stelle „Ein Schwert verhiess mir der Vater“ hören Sie in zwei weiteren Versionen. Die eine Aufnahme ist von Mario del Monaco (1915-1982) mit einer brillanten, metallenen Stimme – sie hören Naturgewalt pur.

Ein Schwert verhiess mir der Vater (1) – del Monaco

In der männlichen Hauptrolle des Siegmunds gibt es einen Sänger, der alle anderen Tenöre überstrahlt: Lauritz Melchior (1899-1973). Falls Sie ihn noch nie etwas von ihm gehört haben, machen Sie sich einen akustischen Eindruck von seiner Stimme mit dem Stück «Wälse», einem in der Aufnahmegeschichte berühmten Dokumenten wo er die Wälse Rufe öfter mit 15 oder mehr Sekunden Tondauer singt!

Wääääääääälse! – Melchior

Handlung: Als sich Siegmund zur Ruhe gelegt hat, erscheint Sieglinde. Sie hat Hunding ein Schlafmittel verabreicht und erzählt nun, dass sie einst unter Zwang mit Hunding verheiratet wurde und ein Fremder ein Schwert in den Baum wuchtete und es dem Stärksten versprach, der es herausziehen könne. Niemand gelang es bis jetzt und sie zeigt Siegmund das Schwert, welches in einem Baum steckt. Sehnlich erwartet Sieglinde seither den Helden, der ihre Schmach tilgen wird.

Lotte Lehmann war eine der grossen Sieglinde. Sie war technisch gesehen nicht die beste Sängerin, sondern kombinierte eine Stimme sinnlicher Schönheit mit der Expressivität des Ausdrucks.

Der Männer Sippe (1) – Lehmann / Melchior / Walter

Hören Sie eine weitere Interpretation von Kirsten Flagstadt, ein weiterer grosser Wagner Sopran der Vergangenheit. Sie sang sowohl die Sieglinde wie auch die Brünnhilde.

Der Männer Sippe sass hier im Saal (2) – Flagstadt / Knappertsbusch

Wagners grosse Tenor Arie: Winterstürme wichen dem Wonnemond

Handlung: Eine magische Kraft zieht die beiden zueinander. Der Sturm hat sich verzogen und magisch glänzt der Mond am Himmel.

Die Musik verändert sich plötzlich. Nach dem Aufeinandertreffen mit Hunding und der dramatischen Erzählung Sieglindes erleben wir Siegmund in einer lyrischen Stelle. Wagner komponierte für dieses Liebeslied ein Cantabile, wie wir es im ganzen Ring sonst nie erleben. In «italienischer» Manier, von gedämpften Streichern und wogenden Triolen begleitet, entfaltet sich eine lyrische Arie.

Gleich vier grosse Siegmund können Sie in dem traumhaften «Winterstürme wichen dem Wonnemond» hören. Starten wir mit dem grössten Wagner Tenor Lauritz Melchior.

Winterstürme wichen dem Wonnemond… Du bist der Lenz (1) – Melchior / Walter / Lehmann

Als nächstes hören Sie Franz Völker (1899-1965) welcher einer der grössten Lohengrin und Siegmund des Jahrhunderts war. Er sang in seiner Karriere regelmässig italienische Opern und vereinte die Stimmkraft eines Heldentenors mit der lyrischen Gesanglichkeit. Seine belcantistische Stimmführung hebte sich wohltuend ab von sogenannten «Bell-Canto», dem unnatürlichen, konsonantenspuckenden Sprechgesang der Cosima Wagner – Jahre in Bayreuth.

Seine Biographie war eng mit dem Aufstieg des dritten Reichs verknüpft. Seine Biographie dieser Jahre war ambivalent, auf der einen Seite sah er aus wie der Prototyp des nordischen Heldens, was ihm zusammen mit seiner grossen Stimme zu einem Publikumsliebling machte. Er war Hitlers Lieblingstenor der Vorkriegs-Jahre 1933-1940 und genoss dessen Protektion. Die benötigte er auch, denn sein Privatleben bot erhebliche Angriffsflächen. Er war verheiratet mit einer Frau mit jüdischen Wurzeln. Er verteidigte sie bis zum Ende der Nazizeit und sie überlebte die Kriegsjahre. Das wäre bereits genug für ein Auftrittsverbot gewesen, doch Völker wurde darüber hinaus 1938 wegen homosexuellen Handlungen gerichtlich verurteilt, was im dritten Reich einer strafbaren Handlung entsprach. Hitlers persönliche Protektion schützte ihn vor einem Auftrittsverbot.

Winterstürme wichen dem Wonnemond (2) – Völker

Placido Domingos Stimme strahlt in dieser Arie aufs schönste, er war ein glänzender, herausragender Siegmund.

Winterstürme wichen dem Wonnemond (3) – Domingo

Zum Abschluss noch eine wunderschöne Interpretation von Jonas Kaufmann.

Winterstürme wichen dem Wonnemond (4) – Kaufmann

Handlung: Als Siegmund von seiner Sippe erzählt, erkennt Sieglinde ihren Bruder, den sie so lange nicht mehr gesehen hatte.

Du bist der Lenz – Flagstadt


Die berühmte Schwert-Szene

Handlung: Ekstatisch nennt sie ihn Siegmund. Erregt begibt sich Siegmund zum Baum und packt das Schwert und mit einem gewaltigen Ruck zieht er es heraus. Es gibt keinen Zweifel mehr, Siegmund ist vom Stamme der Wälse und Sieglinde gibt sich ihm als seine Schwester zu erkennen. Leidenschaftlich küssen sich die beiden. In der Morgendämmerung fliehen sie gemeinsam aus dem Haus.

Wagner hat in dieser Oper gleich zwei Tabus gebrochen: Inzest und Ehebruch. Dabei stand für ihn nicht der Akt oder eine Skandalisierung im Vordergrund. Es ging ihm darum, dass mit Siegfried ein blutreiner Held geboren wird.

Wir hören diese berühmte Szene in der Interpretation von Lauritz Melchior. Nach Meinung vieler Experten hat es «nie zuvor solch eine machtvolle Tenorstimme gegeben, so dunkel timbriert und zugleich so brillant, und bis heute hat er keinen Nachfolger gefunden» (Scott).

Deines Auges Glut…Nothung – Melchior / Lehmann


DIE WALKÜREN AKT II


Handlung: Im Götterreich: Wotan hat Brünhilde zu sich gerufen. Sie soll Siegmund im Zweikampf mit Hunding beistehen, da er Siegmund für die Eroberung des Rings vorgesehen hat.

Mit Reminiszenzen aus dem ersten Akt beginnt das kurze Vorspiel des zweiten Aktes. Zuerst hören wir das Schwertmotiv, welches in das Liebesmotiv von Sieglinde und Siegmund übergeht:

Kurz-Zitat «Liebes Motiv von Sieglinde und Siegmund»

Darauf hören wir zum ersten Mal das Motiv des Ritts der Walküren. Nach Wotans Auftritt hören wir den berühmten Schlachtruf der Walküren «Hojotoho».

Hören Sie diese Passage mit Birgit Nilsson in der Rolle der Brünnhilde. Birgit Nilsson war mit Ihrer «Stimmkraft» eine begnadete Wagnersängerin. Sie war die führende „Hochdramatische“ der Nachkriegszeit und damit die Nachfolgerin der Kirsten Flagstadt.

Nun zäume dein Ross, reisige Maid – London / Nilsson / Leinsdorf

Kirsten Flagstadt war die grösste Brünnhilde der dreissiger Jahre. Ihre Stimme war voll und kräftig und zugleich geschmeidig und glanzvoll. Ihre Auftritte an der Metropolitan Opera zumeist mit Lauritz Melchior wurden zur Legende «Kirsten Flagstadt errang sich und dem Wagner-Repertoire einen neuen Popularitätsstandard, so dass es Kritiker gab, die die amerikanische Wagner-Pflege in das Zeitalter ‘before and after Kirsten’ einteilten (Fischer, Grosse Stimmen). Wir hören den Ausschnitt des Schlachtrufs der Brünnhilde.

Brünnhildes Schlachtruf – Flagstadt

Und noch eine dritte Brünnhilde von Nina Stemme (auch sie eine Skandinavierin), die renommierteste Brünnhilde der 2010er Jahre.

Brünnhildes Schlachtruf – Stemme

Handlung: Wotans Frau Fricka begibt sich zu ihrem Mann und verlangt von ihm Hunding zu unterstützen, da Wotan Siegmund mit einer anderen Frau gezeugt hatte. Als Hüterin der Ehe kann Fricka diesen Frevel nicht akzeptieren, zudem untergrabe er mit seinem Plan seine eigenen Gesetze.

So ist es denn aus mit den ewigen Göttern – Ludwig

Handlung: Wotan ruft Brünnhilde zu sich. Nie sah sie Wotan so betrübt und niedergeschlagen. Er vertraut ihr die Geschichte des Rings und der Verträge an. Tief betrübt befiehlt er Brünnhilde, dass Siegmund beim Duell sterben soll.

Der grosse Monolog Wotans wird von düsteren, leeren Bässen eingeleitet. Es ist die detaillierteste Schilderung der Vorgeschichte des Rings. Die Erzählung wird immer wieder von Leitmotiven des Orchesters kommentiert. Dieser Abschnitt ist oft ob seiner Länge kritisiert worden. Es ist das Drama des Wotans, der zwar der absolute Herrscher,aber der «unfreieste aller» ist, weil er an seine Verträge gebunden ist und seinen Plan scheitern sieht, da Fricka genug von den ausserehelichen Eskapaden ihres Göttergatten hat.

Als junger Liebe Lust mir verblich – London


Brünnhilde begeht den Weg zum fühlenden Menschen

Handlung: Brünnhilde will ihm widersprechen, doch mit einer demütigenden Machtgeste bringt er seine Tochter zum Schweigen und befiehlt ihr zu gehorchen. Brünnhilde macht sich auf den Weg zu den beiden Fliehenden. In einer felsigen Gegend rasten Siegmund und Sieglinde erschöpft. Hunding und seine Schächer sind ihnen dicht auf den Fersen. Als Sieglinde erschöpft in den Schlaf fällt, erscheint Brünnhilde. Sie verkündet Siegmund, dass er den Kampf mit Hunding nicht überleben wird. Als Lohn verspricht sie ihm den Einzug in Walhall zu seinem Vater Wotan und seinen Schwestern den Walküren. Als aber Siegmund erfährt, dass Sieglinde nicht bei ihm sein würde und weiterleben müsste, erklärt er ohne Umschweife, dass er in diesem Fall gar nicht daran denke, Brünnhilde nach Walhall zu folgen, sondern dann lieber sterbe, ja die geliebte Sieglinde sogar notfalls selbst töten wolle, als sich von ihr zu trennen. Auch Brünnhildes Hinweis, dass Sieglinde schwanger sei, hält Siegmund nicht auf: er zieht sein Schwert und holt aus, um Sieglinde zu erschlagen. Diese Geste rührt Brünnhilde dermassen, dass sie Mitleid empfindet und beschliesst, Siegmund im Kampf gegen Hunding zu unterstützen.

Dieser Abschnitt beschreibt das erste Zusammentreffen einer göttlichen und einer menschlichen Gestalt. Die Kriegsgöttin Brünnhilde empfindet zum ersten Mal Mitleid, ein ihr bislang unbekanntes Gefühl. Um die Bedeutung des Moments zu unterstreichen setzt Wagner prominent die sogenannten «Wagner-Tuben» ein, die speziell für den Ring konstruiert wurden. In feierlichem, gemessenen Tempo erscheint Brünnhilde dem Siegmund wie ein Todesengel und die Tuben spielen Sie das ergreifende Schicksalsmotiv.

Kurzzitat «Schicksalsmotiv»

Dieses Schicksalsmotiv bildet die Basis für das zweite wichtige Motiv, welches während der ganzen Szene präsent bleibt:

Kurzzitat «Todesverkündigungsmotiv»

Sieh auf mich – Nilsson / King

Der Zweikampf Siegmunds und Hundings

Handlung: Die Hörner kündigen die Ankunft Hundings an, und Siegmund rüstet sich zum Kampf. Brünnhilde gehorcht Wotan nicht und verspricht Siegmund im Kampf zu helfen. Als Hunding und Siegmund sich gegenüberstehen und den Kampf beginnen, greift Wotan ein und zerstört Siegmunds Schwert. Hunding ersticht den unbewaffneten Siegmund. Als er triumphierend Siegmunds Blut trinkt, tötet Wotan Hunding. Brünnhilde nimmt die Reste des Schwerts und flieht mit Sieglinde auf dem Pferd Grane.

Mit zärtlichen Tönen beginnt das Finale des zweiten Aktes, als Sieglinde erwacht. Doch bald schon kündigen die schallenden Hörner die Ankunft Hundings an. Als die beiden Männer sich zum Duell aufstellen, geschieht alles sehr schnell. Zuerst wirft sich Sieglinde vergeblich zwischen die beiden und gleich darauf erscheint Brünnhilde, begleitet vom Walküren-Motiv in den Blechbläser, um Siegfried zu unterstützen. Zuletzt erscheint Wotan, der Brünhilde den Speer entreisst und mit ihm das Schwerz Siegmunds zerstört und Hunding den waffenlosen Siegmund erstechen lässt. Von zwei grellen Akkorden begleitet stirbt Siegmund. Die Musik beruhigt sich. Wotan trauert um Siegmund und beschliesst Brünnhilde zu bestrafen. Er tötet Hunding und mit einer wilden, aufgewühlten Bläsersequenz endet dieser Akt.

Zauberfest bezähmt ein Schlaf – London / Vickers / Nilsson / Ward / Brouwenstin


DIE WALKÜREN AKT III

Der Ritt der Walküren

Handlung: Brünhilde und Sieglinde sind nach Walhall geflohen um Hilfe bei ihren Schwester-Walküren zu finden.

Der dritte Akt beginnt mit dem sogenannten Walküren Ritt. Man sieht die sieben Schwester wie sie blutüberströmte, getötete Krieger nach Walhalla schleppen. Dabei tobt ein Gewittersturm und die Walküren rufen ihren Schlachtruf «Hojotoho».

Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! – Jankowski

Die grosse Szene der Verabschiedung Sieglindes von Brünnhilde

Handlung: Die Schwestern sind entsetzt, dass Brünnhilde sich dem Willen ihres Vaters widersetzte und verweigern die Hilfe. Brünnhilde gibt Sieglinde die Überreste von Siegmunds Schwert und kündigt ihr an, dass sie einen Helden namens Siegfried gebären werde. Sie gibt ihr das Pferd Grane, damit sie sich nach Osten flieht und sich im Wald Fafners vor Wotan verstecken kann. Sie selbst werde Wotans Rache harren.

In dieser dramatischen Szene, in der die schwangere Sieglinde verzweifelnd nach Schutz sucht, offenbart Brünnhilde ihr, dass die Frucht ihrer Liebe zu Siegmund ein Held sein wird, glanzvoll ertönt zum ersten Mal das Siegfried Motiv:

Kurzzitat«Siegfriedmotiv»


Anschliessend übergibt sie Sieglinde die Überreste von Siegmunds Schwert. Brünnhilde wird nun von Emotionen übermannt über die Selbstlosigkeit Brünnhildes und sie singt über dem farbigsten Orchester, das strahlende Liebeserlösungsmotiv:

Kurzzitat «Liebeserlösungsmotiv»

Dieses Motiv werden wir erst wieder am Schluss des Rings antreffen, es wird die Götterdämmerung und damit das gesamte Werk beenden.

So fliehe denn eilig und fliehe allein! – Nilsson / Brouwenstijn

Wotans Bestrafung Brünnhildes – die grosse Abschieds-Szene

Handlung: Brünnhilde hat sich Wotans Befehl widersetzt. Wotan stösst sie aus Walhalla aus und nimmt ihr den Götter Status. Er warnt die Schwester, wer sich ihr nähert wird das gleiche Los ereilen. Wotan will sie an einem Weg in einen Schlaf versetzen, wo die wehrlose dem erstbesten Mann ausgeliefert ist. Wotan verjagt die Walküren. Nun allein mit ihrem Vater appelliert Brünnhilde, zu ihrem Schutz ein Feuer um ihre Schlafstätte zu legen, damit nur ein Held sie bekommen könne. Nun überwältigen Wotan die Emotionen über den Verlust seiner Lieblingstochter und die beiden fallen sich in die Arme. Mit einem zärtlichen Kuss auf die Stirn versetzt Wotan Brünnhilde in den Schlaf und er beauftragt Loge einen Feuerwall um die Schlafstätte der Brünnhilde zu errichten.

Der Abschied Wotans von Brünnhilde ist eine grossen Szenen des Rings. Hören Sie wie Wotan sich zärtlich ergriffen von Brünnhilde verabschiedet und sich die Musik in einem ekstatischen Schluss auflöst. Dieser musikalische Abschnitt wird durch viele Leitmotive gezeichnet.

Zuerst hören wir das nostalgische Ruhestättemotiv:

Kurzzitat «Ruhestättemotiv»

Anschliessend hören wir in den Hörner das Siegfriedsmotiv («Denn einer nur freit die Braut, der freier als ich, der Gott»). Es wird gefolgt von Wotans Liebesmotiv (ab 2:55), das den Schmerz des Abschieds ausdrückt. Es erscheint zuerst in den Bläsern und dann, in einer überwältigenden Schmerzensgeste, in den Violinen:

Kurzzitat «Wotans-Liebesmotiv»

Die lange lyrische Szene, in der Wotan Brünnhilde zum Schlaf bettet, endet jäh mit dem Speermotiv, mit dem Wotan zur Tat schreitet:

Kurzzitat «Speermotiv»

Mit dem Feuerzaubermotiv entzündet Wotan mit Hilfe Loges das Feuer um die Schlafstätte Brünnhildes

Mit der Kontrapunktischen Verbindung verschiedenster Motive klingt diese Szene herrlich aus.

Leb wohl du kühnes herrliches Kind – London / Leinsdorf

Sehen Sie die Szene in einer weiteren Interpretation aus einem eindrücklichen Ausschnitt einer Fernsehaufzeichnung der berühmten Chéreau/Boulez-Inszenierung des Bayreuther Rings der siebziger Jahre.

Leb wohl du kühnes herrliches Kind – McIntyre / Jones

Aufnahme Empfehlung

DECCA mit Jon Vickers, Birgit Nilsson und George London unter der Leitung von Erich Leinsdorf und dem London Symphony Orchestra.

Peter Lutz, Opera-inside, dem online Opernführer zu DIE WALKÜRE von Richard Wagner