opera-inside-Carmen-Georges_Bizet-Synopsis_Handlung_Trama_résumé (1)

Der online Opernführer zu CARMEN

«Carmen» gehört zu den unvergänglichen Meisterwerken der Operngeschichte. Die Rolle der Carmen ist eine der attraktivsten Rollen, die für weibliche Stimmen geschrieben wurden, und das Werk wurde zur meistgespielten Oper des gesamten Repertoires.

[wpedon id=”13744″]

 

 

ÜBERSICHT UND SCHNELLZUGRIFF

 

Inhalt

Handlung

♪ Akt I  (Tabakfabrik-Szene)

♪ Akt II  (Schmugglerlokal-Szene)

♪ Akt III(Im Gebirge bei den Schmugglern)

♪ Akt IV (Finale in Sevilla)

 

Höhepunkte

Ouverture

L’amour est un oiseau rebelle (Habanera)

Votre toast je peux vous le rendre (Toréro)

Les tringles des sistres tintaiens

La fleur que tu m’avais jetée (Blumenarie)

Près des rempart de Seville

Je dis que rien ne m’épouvante (Micaelas Arie)

Entr’acte

Les voici (Cuadrilla)

 

 

Aufnahme Empfehlung

♪ Aufnahme-Empfehlung

 

 

 

 

ROLLEN & HANDLUNG VON CARMEN IN 4 MINUTEN

 

 

 

 

 

Libretto

Bizet erhielt den Kompositionsauftrag für «Carmen» von der Pariser Opéra Comique. Deren Direktor Camille du Locle teilte ihm die Librettisten Meilhac und Halévy zu, die bereits viele glänzende Libretti für Offenbach geschrieben hatten. Sie basierten die Handlung der Liebesgeschichte weitgehend getreu der Vorlage Mérimées, lediglich Don Josés Vorgeschichte wurde weggelassen. Sie ergänzten die Handlung um die Personen der Micaela und des Don Camillo, der die Rolle des Picador Lucas aus Merimées Roman aufwertete.

 

 

Die Rolle der Carmen

Die Rolle der Carmen wurde für die Entstehungsgeschichte entscheidend. Die Persönlichkeit dieser Figur war dazumal einzigartig: eine unbezähmbare Frau, erotisch, temperamentvoll und dazu noch eine Fabrikarbeiterin. Darüber hinaus vulgär und rebellisch statt romantisch und geduldig. Kurz: das exakte Gegenteil, was man vom Verhalten einer Frau im späten 19. Jahrhundert erwartete. An ihr entzündete sich im Vorfeld der Uraufführung eine hitzige Debatte. Als die Theaterleiter realisierten, was für ein «Monster» auf sie zukam, versuchten sie die den Verlauf der Dinge zu verändern. Aber es war zu spät. Selbst die geplante Hauptdarstellerin weigerte sich die Rolle zu singen. In der Person von Célestine Galli-Marié konnte kurzfristig ein geeigneter Ersatz gefunden werden. Die Wahl der Sängerin war und ist für den Erfolg entscheidend. Die Rolle ist sehr anspruchsvoll, sie erfordert eine erotische Ausstrahlung, grosse Singkunst, verführerische Tanzkunst und schauspielerische Fähigkeiten. Galli-Marié machte es Bizet nicht einfach, er muss für sie die Auftrittsarie 13-mal verändern.

Reisetip für Opernfreunde: Besuch Originalschauplätze in Sevilla (Klicken Sie für den Link zum REISE-Blogartikel)

Universita Tobacco factory Sevilla Bizet Carmen Travel Reisen Culture opera Tourism

 

Musik und Leitmotiv

Durch die gezielte Wahl von musikalischen Stilelementen wie spanischen Tänzen, chromatischen Motiven und exotischen Harmonien verlieh Bizet dieser Oper ein charakteristisches Gewand. Er verwendete zudem mehrere Motive, die als Erinnerungsmotive einen leitmotivischen Charakter bekommen. Stellvertretend sei hier das wichtigste, das sogenannte Carmen-Motiv angeführt. Es taucht bereits in der Auftrittsarie der Carmen auf und wird immer wieder zitiert. Es ist ein chromatisches Motiv, welches Bizet aus der Zigeunertonleiter entwickelte (möglicherweise inspiriert von Liszt Werk):

 

 

Entstehung und Uraufführung

War die Entstehungsgeschichte nur schon wegen der Rolle der Carmen schwierig, kamen auch noch große Probleme mit dem Chor hinzu. Bizet erwartete vom Chor szenische Präsenz, doch er beklagte, dass die Chorsänger nicht viel mehr gewohnt waren als zu singen und herumzustehen. Trotz den mehr als hundert Proben musste Bizet einige Passagen streichen, um eine geordnete Durchführung der ersten Aufführungen sicherzustellen. Die Uraufführung erfolgte im März 1875. Der erste Akt wurde freundlich aufgenommen. Doch je länger das Werk dauerte, umso frostiger wurde die Atmosphäre im großen Saal der Opéra Comique. Es war zu viel für das konservative Publikum.  Ein Kritiker schrieb über die Hauptdarstellerin: «Zu sehen, wie sie mit den Hüften schaukelte, wie ein Stutenfohlen auf einem Zuchtgestüt in Cordoba – quelle vérité, mais quel scandale» (Abbate/Parker, «eine Geschichte der Oper»). Auch die New York Times schrieb eine vernichtende Kritik: «Als Kunstwerk ist diese Oper absolut nichtig». Einzig Tschaikowsky schrieb nach Hause: «Und wie herrlich ist dieser Opernstoff! Ich bin überzeugt, dass Carmen in zehn Jahren die populärste Oper der ganzen Welt sein wird.» Bizet litt sehr darunter. Daneben hatte er häusliche Probleme, seine Frau hatte mit seinem besten Freund ein Verhältnis. Dies alles belastete ihn, und in der Nacht der einunddreißigsten Vorstellung verstarb er an seinem chronischen Herzleiden. Er erlebte die wachsende Begeisterung an seinem Werk nicht mehr. Nach dem Tode Bizets wurde für die Wiener Erstaufführung von Ernest Guiraud eine Fassung mit Rezitativen erstellt, statt den gesprochenen Dialoge der Opéra Comique. Der Erfolg war enorm und von da an begann der Siegeszug der «Carmen». Seither gibt es zwei Fassungen des Werks, welche regelmäßig gespielt werden.

 

 

 


CARMEN AKT I

 

 

 

Eine glanzvolle Ouvertüre

Bizet nimmt im Prélude das Thema des Stierkampfes auf. In den beiden Aussenteilen zitiert er einen Paso Doble. Dieses marschartige Musikstück begleitete die Corridas. Die mit Flamenco-Elementen besetzte Tanzvariante «Paso Doble» ahmt die Bewegung des Toreros nach. Der Mann imitiert den Torero und die Frau die Capa (das Tuch des Stierkämpfers). Im Mittelteil hören wir das berühmte Thema Escamillos.

Prélude  –  Beecham

 

Handlung: In Sevilla vor der Tabakfabrik. Soldaten warten auf die Pause der Arbeiterinnen.

Mit einem charmanten chromatischen Motiv eröffnet der Chor die Szenerie.

Sur la place chacun passe  –  Beecham

Handlung: Die Wachablösung steht an. Gassenjungen ahmen die Szene nach.

Statt einer martialischen Wachablösung, hören wir die Szene der Gassenjungen. Es ist ein charmantes marschartige Zusammenspiel einer Kornett-Trompete und Piccoloflöten. Tschaikowsky, der ein Bewunderer der Carmen war, übernahm diese Idee wenige Jahre später in seiner Pique Dame.

La garde montante  –  Solti

 

Handlung: Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Fabrik treten in der Arbeitspause auf den Platz.

La cloche a sonnée –  Solti

Die Habanera – ein Geniestreich von Bizet

Handlung: Carmen, eine Arbeiterin der Zigarettenfabrik, erscheint und wird umringt von Männern. Nichts ist langweiliger für sie als Anbiederung, denn Liebe ist für sie ein Spiel.

Mit der Arie «L’amour est un oiseau rebelle» hat Bizet der Rolle der Carmen ein wahres Charakterporträt gemalt. Selten wurde eine der grossen Rollen der Opernliteratur über nur eine Arie definiert wie die Carmen mit der Habanera. Die Habanera ist ein Musikstück kubanisch-afrikanischen Ursprungs, das mit sinnlichen Bewegungen eine provokativ-sexuelle Anspielung beinhaltet. Das Hauptthema hat Bizet einem Werk des Spaniers Yradier entnommen, der sich längere Zeit in der Karibik aufgehalten hatte. Bizet verwendete eine für Carmen charakteristische chromatische Vokallinie. Die Strophe ist in Moll gehalten und der Refrain in Dur. Das Orchester begleitete Carmen mit dem ostinato Motiv der Celli und verstärkt so den hypnotischen Charakter von ihrer Habanera.

Grund genug mit diesem Stück etwas tiefer zu gehen und verschiedene Interpretationen anzuschauen. Sie finden in der Playlist gleich fünf verschiedene Versionen.

Wir starten mit der Interpretation der Maria Callas, welche die Carmen nur im Konzert gesungen hat. Sie wäre im Opernhaus sicher eine reizvolle Carmen gewesen. Schauen Sie den Konzertausschnitt an. Die Mimik reflektiert die Musik und dann rutscht die Stole von den Schultern. Sie wusste wie man eine Rolle darstellt und das Publikum für sich einnimmt !

L’amour est un oiseau rebelle (1) –  Callas

 

Als nächste Interpretation sehen Sie die lettische Sängerin Elina Garanca. Die Carmen ist ihre Paraderolle. Wunderschön gesungen und wahrscheinlich die erotischte aller Carmen Aufnahmen.

L’amour est un oiseau rebelle (2)  –  Garanca

 

Victoria de los Angeles (1923-2005) war eine grosse Carmen ihrer Zeit. Als gebürtige Spanierin beschwerte sie sich, «dass viele Interpretinnen die spanischen Frauen einfach nicht verstehen. Carmen sollte elegant, nicht grob und vulgär sein, sagte sie und fügte hinzu, selbst die gewöhnlichen Zigeunerinnen hätten Stolz und Zurückhaltung. Sie blieben einem Mann nach dem anderen treu, egal was passiert. Das sei ihre Carmen.» (NYT)

L’amour est un oiseau rebelle (3)  –  de los Angeles

 

Ein Wort zu der Aufnahme von Calvé aus 1907. Calvé, geboren 1858, war die grösste Carmen ihrer Zeit und damals so bewundert wie Maria Callas in späteren Jahren. «1891 sang sie eine Uraufführung von Mascagni in Rom, wo sie dem Kastraten Mustafà begegnete, durch den sie ihre «vierte» Stimme mit den schwebenden Klängen zu bilden lernte» (Kesting, «die grossen Sänger des 20. Jahrhunderts«). Als sie die Zigeunerin – «angenehm nur im Bett und auf dem Totenbett» (so der Dichter Prosper Merimée) – zum ersten Mal sang, sprach Henderson von einer idealen Besetzung.

L’amour est un oiseau rebelle (4)  –  Calve

 

Handlung: Carmen hat Don José bemerkt, der die Szene scheinbar teilnahmslos beobachtete. Sie wirft ihm eine Blume zu und verlässt lachend den Platz. Don José hebt die Blume nachdenklich auf…

 

Softie vs. Macho Teil 1: Der Softie

Handlung: Nun erscheint Micaela und überbringt Don Jose einen Brief seiner erkrankten Mutter. Micaela ist über beide Ohren verliebt in Don Jose, dieser denkt sehnsuchtsvoll an sein Dorf zurück und hat keine Augen für Micaela.

In der Opernliteratur haben wir es oft mit «Testosteron-gesteuerten» Tenorpartien zu tun. Sei es der jugendliche Heldentenor italienschen Typus wie der Radames oder der Typ Wagner Heldentenor wie beispielsweise der Tristan. In Carmen ist das nicht so. Der Jose, obwohl er ein Militär ist, zeichnet sich durch seine verletzlichen Züge aus. Und so ist die Musik geschrieben.

Hören Sie Placido Domingo wie er das «Parle-moi de ma mère» wunderschön weich und einfühlsam singt. Diese Szene ist eigentlich komisch-surreal, kein Wunder, die Librettisten der Carmen, Meilhac und Halévy, haben sonst oft für die komischen Opern von Offenbach die Libretti geschrieben.

Parle-moi de ma mère  –  Domingo / TeKanawa / Solti

Près de remparts de Seville – die Wirkung der Leontyne Price

Handlung: Lärm kommt aus der Zigarettenfabrik. Carmen hat eine Messerstecherei angezettelt und Don José muss sie verhaften. Sie wird von Zuniga verhört und gibt sich gegenüber Zuniga respektlos. Dieser übergibt Carmen in die Obhut von Don José. Carmen singt verführerisch von der Schenke des Lillas Pastias, wo sie ihren nächsten Liebhaber treffen will, der durchaus Don José sein könnte. Don José schmilzt dahin …

«Près des remparts de Seville» ist in der Form einer Séguidilla geschrieben, eines schnellen Tanzes im dreier Takt. Die verführerische Musik schwankt zwischen Gesang und Deklamation und schwebt zwischen Dur und Moll und ist nur sparsam orchestriert.

Price war eine hervorragende Carmen, sehr sinnlich und exotisch. Dazu Fischer, in «grosse Stimmen»: «Wer so ausgeprägten Klangcharakter besitzt wie sie, wessen Stimme einen geradezu sexuellen Lockduft ausströmt, der wird als Violetta oder als Butterfly, als Adriana Lecouvreur oder als Elisabetta in Don Carlos nicht am richtigen Platz sein, wenn sie aber Aida und Carmen, Leonora und Tosca sang, dann konnte man sich der Wirkung dieser vokalen Raubkatze kaum entziehen.»

Près des remparts de Seville  –  Price

 

 

 

CARMEN AKT II

 

 

Entr’acte

 

Les tringles des sistres tintaient – Ein Schmankerl zu Beginn des Akt II 

Handlung: In der Schmuggler Taverne von Lillas Pastia. Carmen singt ein Lied das alle mitreisst.

Mit dem zurückhaltenden Rhythmus eines tanzenden Flamencopaars beginnt das Stück zurückhaltend.  Carmen stimmt ihr Lied ein, wieder mit exotischer Harmonik und begleitet vom synkopierten Takt des Tamburins. Mit einem grossen Crescendo entfaltet in der Folge der Gesang und die Musik eine hypnotische Wirkung. Das Stück beginnt im Andante und endet schliesslich in einem furiosen Presto. Darüber hinaus ergänzt Bizet im Orchesterpart laufend Instrumente, was die Sogwirkung noch verstärkt.

Les tringles des sistres tintaient  –  Callas

 

Schauen Sie sich auch noch eine zweite Version an. Es ist eine live Version der Met mit Elina Garanca als Carmen. Das ist Verführung pur. Jetzt verstehen wir wieso Don José schwach geworden ist…

Les tringles des sistres tintaient (2)  –  Garanca

Softie vs. Macho Teil 2: Der Macho

Handlung: Don Escamillo der bekannte Stierkämpfer erscheint unter dem Vivat der Anwesenden. Er erblickt Carmen und macht ihr Avancen, doch diese lässt ihn abblitzen. Auch Zuniga ist in der Spelunke und kündigt an in einer Stunde zurückzukommen.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wie die Rolle des Escamillo gesungen werden soll. Soll sie eher lyrisch gesungen werden oder heroisch und laut ? Wie auch immer. Selten hat es einen grösseren und spektakulären Bühnenauftritt gegeben wie für den Escamillo, dem gloriosen Stierkämpfer.

Dazu gibt es eine amüsante Anekdote. Bei einer Probe zur Oper Carmen brüllte ein Sänger derart, dass Thomas Beecham sich veranlasst sah, ihm zu sagen: “Wollen Sie sich bitte daran erinnern, mein Herr, dass Sie für die Rolle des Toreros engagiert sind und nicht für den Stier!”

Hier diese Szene aus einer schönen Verfilmung mit Ruggiero Raimondi als Escamillo.

Toréador – Raimondi

 

Eine zweite Version hören Sie von Robert Merrill aus der grossartigen Gesamtaufnahme von Karajan.

Votre Toast je peux vous le rendre  –  Merrill/Karajan

 

 

Die Blumenarie

Handlung: Zwei Schmuggler wollen Carmen überreden in die Berge zu gehen. Doch Carmen vertröstet sie. Sie erwartet Don José, den Zuniga ins Gefängnis steckte, weil er Carmen entfliehen liess. Als Don José erscheint, tanzt Carmen für ihn einen Flamenco. Don José ist verzaubert, doch da hört er eine Trompete, die zum Appell ruft. Er will gehen und Carmen ist erzürnt über sein Desinteresse. Sie versucht ihn zu überreden, zu den Schmugglern zu stossen, doch José will ein ehrliches Soldatenleben führen. Carmen ist enttäuscht über so wenig Mut und verhöhnt ihn. José schwört ihr seine Liebe und erinnert an die Blume, die sie ihm zuwarf.

Eine der schönsten Arien der Operngeschichte ist die sogenannte Blumenarie, «la fleur que tu m’avais jetée». Eingeleitet von den wunderschönen Klängen des Englischhorns will Don José Carmen beweisen, dass sie zu Unrecht an seiner Liebe zweifelt.  Es handelt sich um eine sehr abwechslungsreiche Arie mit sehr vielen kontrastierenden Elementen. In dieser Arie steckt viel Psychologie. Dazu Abbate/Parker: «Eingeleitet wird die Arie von einem geisterhaften orchestralen Rückblenden, wobei das wiederkehrende Thema vom Englischhorrn gespielt wird, so als solle dieses Instrument schon einmal als eine gezähmte Kraft etabliert werden … Bei den Worten «Et j’étais une chose à toi), von Bizet mit der Anweisung ‘pp rall e dim’ versehen, schwingt José sich zu einem hohen B auf und hält diesen lange und dabei unheimlich leise. Es ist ein Moment, der stark an das Ende von «Celeste Aida» erinnert. Jetzt klingt die Stimme, als sei sie in eine andere Sphäre hineingesaugt worden. José ist von Carmen so fasziniert, dass er in ihre musikalische Welt eintaucht.»

Sie hören diese Arie gleich drei Mal von verschiedenen, grossen Sängern.

La fleur que tu m’avais jetée (1)  –  Domingo/Solti

 

Als nächstes Vickers, der kanadische Tenor ist berühmt als Wagnertenor.

La fleur que tu m’avais jetée (2) – Vickers/Karajan

 

und als letzter, der grosse Verdi Tenor Jussi Björling.

La fleur que tu m’avais jetée (3) –  Björling

 

 

Das dramatische Duett Carmen / Don José

Handlung:  Carmen wirft ihm vor, die Liebe nur vorzutäuschen, sonst würde er mit ihr zu den Schmugglern in die Berge gehen. Don José sieht keinen Ausweg zwischen seiner Liebe zu Carmen und der Undenkbarkeit einer Desertation und Carmen entzieht ihm ihre Liebe.

«Carmen beantwortet die wunderbare, furchtbare Unschlüssigkeit der Blumenarie mit brutalem Realismus ‘non tu ne m’aimes pas’ singt sie und reisst bei ihrem letzten Wort die Musik aus Josés sehnsuchtsvollem tonalen Orbit empor in ihren eigenen. Es ist dies die einzige Stelle, an der sie längere Zeit gemeinsam singen. Jose gibt immer wieder eine anmutige Melodie vor, die aus einer anderen Sphäre zu stammen scheint; Carmen weigert sich jedoch, sein Thema aufzunehmen; stattdessen konfrontiert sie ihn mit musikalisch anders gestrickten Antworten. Nur einmal singen sie wirklich zusammen: als er seinen schönen, eindringlichen Satz ‘Carmen il est temps encore’ wiederholt. Bald darauf schraubt sich Carmen, während Jose noch immer wider alle Vernunft Liebeslyrik produziert, zu melodielosen Einzeltönen hinunter und rafft sich nur noch zu einer einzigen spektakuläre hohen Kadenz auf, als sie der Sache mit ihrem entschiedensten ‘Nein’ ein Ende zu machen droht: ‘Jamais Carmen ne cédra’.» (Abbate/Parker)

Non, tu ne m’aimes pas  –  Gedda/LosAngeles/Beecham

 

 

Handlung:  Nun erscheint Zuniga. Don José gerät in ein Handgemenge mit seinem Vorgesetzten und nun bleibt ihm nichts mehr übrig als sich den Schmugglern anzuschliessen. Die beiden Schmuggler halten den Offizier mit ihren Pistolen in Schach während Don José und Carmen entfliehen.

Bel Officier –  Troyanos

 

 

 

 

CARMEN ACT III

 

 

Handlung: Im Gebirge bei den Schmugglern.

Écoute, écoute, compagnon  –  Karajan

 

 

Das Tarot-Trio

Handlung: Don José und Carmen sind seit Monaten zusammen und streiten sich immer öfter. José entfernt sich um seine Mutter in einem nahegelegenen Dorf aufzusuchen. Carmen trifft sich mit Frasquita und Mercedes. Sie legen Tarotkarten und Carmen sieht in ihnen ihren und Josés baldigen Tod.

Melons! Coupons!  –  Garanca / Caballero / Eddy

 

Handlung: Die Schmuggler haben den Weg auskundschaftet, nun liegt es an den Frauen die Zöllner abzulenken. Sie verlassen den Ort, Don José bleibt zurück um die Waren zu bewachen.

Bizet schrieb an dieser Stelle ein virtuoses Concertato der drei Frauen und des Chors der Frauen, mit schönen Bläserstimmen begleitet.

Quant au douanier  – Solti

«Je dis que rien ne m’épouvante» und Leontyne Price

Handlung: Micaela kommt ins Gebirge wo José sein Leben bei den Schmugglern führt. Sie ist immer noch verliebt in Don José, fürchtet sich aber in dieser Umgebung und vor Carmen. Sie macht sich selber Mut, dass sie sich vor nicht fürchten soll.

Bizet leitet dieses Stück mit einem kurzen, wunderschönen Hornmotiv ein. Die begleitenden Hörner und die schwelgerischen, mit Dämpfern gesetzten Streicher erzeugen eine anrührende Stimmung.

Hören Sie sich unbedingt das verträumte «Je dis que rien ne m’épouvante» mit Leontyne Price in der  berühmten Aufnahme von Herbert von Karajan an.

Je dis que rien ne m’épouvante  –  Price

Eine weitere überzeugende Aufnahme hören Sie von Kiri Te Kanawa, die mit einem wunderschönen Legato und der leuchtenden Höhe eine mehr ausdrucksstarke als verträumte Micaela interpretiert.

Je dis que rien ne m’épouvante  –  Te Kanawa / Karajan

 

Handlung:  Als Micaela beim Lager ankommt, sieht sie Escamillo dort eintreffen und versteckt sich. Escamillo ist wegen Carmen gekommen und José gibt sich als ihr Liebhaber zu erkennen. Die beiden geraten in ein Handgemenge. Carmen ist mittlerweile zurückgekehrt und kann gerade noch rechtzeitig die Streithähne trennen. Micaela kommt aus dem Versteck hervor und erzählt José, dass seine Mutter im Sterben liege und verlässt zusammen mit José das Lager, um zum Dorf zurückzukehren.

Bizet malt eine Spanische Atmosphäre

Bizet hat zeitlebens Spanien nie bereist aber musikalisch viel spanisches Kolorit eingefangen. Man sieht das festliche Spanien vor dem geistigen Auge vorbeiziehen. Bizet hat die Hauptmelodie einem andalusischen Lied entnommen und hinreissend orchestriert.

Entr’acte-  Beecham

 

 

 

 

CARMEN ACT IV

 

Handlung:  Festliche Stimmung herrscht vor der Stierkampfarena in Sevilla. Die Mannschaft der Stierkämpfer trifft glanzvoll ein. Carmen erscheint an der Seite von Escamillo.

Dieses berühmte Stück ist auch bekannt unter dem Namen “Cuadrilla”, benannt nach der Bezeichnung der Equipe der Stierkämpfer. Wir hören in dieser grandiosen Massenszene die Themen der Ouvertüre.

Hier in einer festlichen Version der Arena di Verona.

Les voici – Arena di Verona

 

Carmens Tod in Sevilla

Handlung: Escamillo tritt in die Arena und Carmen erblickt Don José, der sie zurückhaben will. Vor der Stierkampfarena teilt sie ihm mit, dass die Beziehung zu Ende sei. José fleht sie an, doch Carmen schmeisst ihm den Ring vor die Füsse. Das ist zu viel für ihn, und er ersticht Carmen mit einem Messer.

Bizet hat eine dramatische Schlusszene komponiert. Der erste Teil rezitativisch komponiert. Als Carmen ihm entgegenschleudert “Tout est fini!”, versucht er es mit einer zärtlichen Melodie, die ein Duett übergeht. Doch als sie die Beziehung aufkündigt, wechselt der Orchesterklang in frenetische Staccati der Bläser und einen nervösen Streicherklang. Mit dem Hintergrund der Stierkampfmusik erfolgt die Mordtat des rasenden José.

C’est toi…il est… Viva  –  Callas/Gedda

 

Aufnahme-Empfehlung

 

Die RCA Aufnahme besticht durch die hervorragende Carmen.

RCA mit Leontyne Price, Franco Corelli, Robert Merrill und Mirella Freni unter der Leitung von Herbert von Karajan und dem Orchester und Chor der Wiener Staatsoper.

 

Die Decca Aufnahme besticht durch den hervorragenden Don José.

DECCA mit Tatjana Troyanos, Placido Domingo, Jose van Dam und Kiri te Kanawa unter der Leitung von Herbert von Karajan und dem London Philharmonic Orchestra und dem John Aldis Choir.

 

 

 

Peter Lutz, opera-inside, der online Opernführer zu CARMEN von Georges Bizet

 

 

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert